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Christine du Bois de Dunilac, *1980, promoviert und assistiert an der Universität Zürich in Neuer Deutscher Literaturwissenschaft. Neben Germanistik und Philosophie hat sie Populäre Literaturen studiert und sich dabei vor allem den Märchen und ihren modernen Adaptionen verschrieben. Sie hat ihren Märchenprinzen geheiratet und übt sich darin, stets möglichst den kürzesten «Weg zum Glück» zu wählen.
Wege zum (Quoten)Glück
Große Gefühle – alte Muster: Telenovelas als moderne Märchen
«Telenovelas sind moderne Märchen und bedienen sich der Grundmuster dieser traditionellen Erzählform, die sich in allen Gesellschaften über Jahrhunderte hinweg ausgeformt haben.»
Roger Schawinski
Märchen bestimmen seit Jahrtausenden die populäre Erzählkultur. Zunächst mündlich tradiert, seit dem 17. Jahrhundert in Volksmärchensammlungen schriftlich weitergegeben, bewegen sie im immer gleichen Muster die breite Masse. Zwischen den Rahmenformeln «Es war einmal» und «Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute» entfalten sich Heldengeschichten in unzähligen Variationen. Dabei ist das Ausgangsmaterial denkbar knapp: Im Mittelpunkt steht ein Held, der sich aus einer anfänglich misslichen Lage befreit oder auszieht, um sein Glück zu suchen. Der Weg des Helden oder auch der Heldin ist mit Hindernissen und Gefahren verbunden, die es zu überwinden gilt, ehe eine ruhmreiche Rettung, Rückkehr oder gar Traumhochzeit gefeiert werden kann. Nicht selten sehen sich die Helden dabei einem durch und durch bösen Antagonisten gegenüber, der
für die nötige Binnenspannung sorgt und die märchentypischen Gegensätze erst richtig zur Geltung bringt. Klare Oppositionen wie Gut und Böse, Schön und Hässlich, Glück und Pech, Arm und Reich etc. bestimmen sowohl das Figurensetting als auch den Handlungsverlauf. Aufgrund der «flächenhaften» Darstellungsweise der Märchen werden diese Gegensätze nicht spezifiziert, sondern fungieren in Attributen wie «schön», «golden», «glücklich» etc. als absolute Zuschreibungen. Größere Gefühle und
absolutere Erfahrungen als die im Volksmärchen erzählten sind kaum denkbar: So überhöht sich beispielsweise mit der Traumhochzeit als dem typischen Happy End die Schön- und Reinheit von Held und Heldin in ihrer Verbindung in eine transzendente Glückseligkeit.
Schlagen wir einen Bogen von dem, was immer so war, zu dem, was heute ist: Volksmärchen nach dem Schema Mangel/Abhilfe oder Glück/Störung/Glück werden noch heute erzählt und in unterschiedlicher Weise adaptiert. Neben den seit den 1950er-Jahren weltweit erfolgreichen Zeichentrickfilmadaptionen aus dem Hause Walt Disney etablierte sich vor allem in Lateinamerika mit der Tonfilmentwicklung das nicht minder erfolgsversprechende Genre der Telenovela.
Die Telenovelas entwickelten sich seit den 1950er-Jahren vorwiegend in Mexiko und Brasilien. Mit ihrer Fortsetzungsstruktur und zeitlichen Begrenztheit knüpfen sie sowohl an die Kolportage-romane des 19. Jahrhunderts als auch an die kubanischen Radionovelas der 1930er-Jahre an. Aufgrund ihrer Dreiteiligkeit (Glück/ Störung/Glück), den Gegensätzen zwischen Gut und Böse, Arm und Reich oder Schwarz und Weiß sowie dem lustvoll herausgezögerten, aber nie ernsthaft gefährdeten Happy End erinnern Telenovelas an moderne Märchen. Denn neben politischen und zeitkritischen Themen wird für die Storyline gerne auf Märchenmotive und die darin angelegten Extreme zurückgegriffen. Mit äußerst melodramatischen Inszenierungen werden nicht nur in Mittel- und Südamerika bis heute selbst zur Primetime Traumquoten erzielt. Mittlerweile sind viele dieser Produktionen mit beispiellosem Erfolg weltweit exportiert worden. So avancierte etwa die Adaption der kolumbianischen Telenovela «Betty la fea» in Israel und Indien zum regelrechten Straßenfeger.
Seit die öffentlichrechtlichen Sender ZDF, ORF2 und SF2 im November 2004 mit der ersten deutschsprachigen Telenovela «Bianca – Wege zum Glück» auf Sendung gingen, werden auch die angeblich weniger heißblütigen Mitteleuropäer regelmäßig mit weichgezeichneten Märchenadaptionen beglückt. Im Jahrestakt finden Bianca, Julia, Nina, Luisa und Nora ihr Glück oder folgen Alisa und bald schon Hanna ihrem Herzen. Während nach der ersten Staffel von «Wege zum Glück» und Biancas langen Irrwegen zur Märchenhochzeit noch das ganze Setting ausgetauscht wurde, gingen die Glückspfade der darauffolgenden Staffeln von «Wege zum Glück» praktisch nahtlos ineinander über. Von der Villa der Gravenbergs verschob sich der Schauplatz zwar ins Gutshaus der van Weydens, die Meisterintrigantin Annabelle blieb der Fan-gemeinde jedoch in ihrer ganzen Abgründigkeit erhalten. Ihre Intrigen bestimmten den geschäftlichen Alltag der Porzellanmanufaktur Gravenberg ebenso wie das Privatleben ihrer Familie, deren erzählbogenerweiternden Irrwege nicht selten ihrem Zutun zu verdanken waren. Auch vor Mord und Totschlag schreckte sie nicht zurück und schaffte es dennoch, ungesühnt über insgesamt vier Staffeln im beschaulichen Städtchen Falkental mal mehr, mal weniger Unruhe zu stiften. Diesem absolut Bösen steht selbstredend das absolut Gute gegenüber. Die Grenzziehung zwischen Gut und Böse ist dermaßen klar, dass die unschuldige Protagonistin nicht selten vorgeben muss, die gegen sie geschmiedeten Ränke überstiegen bei weitem ihre naive Vorstellungskraft. Warnrufe von weniger verblendeten Freunden verhallen oft ungehört im Äther, weil bis zuletzt am schönen Schein festgehalten wird. Wie im Märchen wird der Untergang des Familienimperiums ‹gerade noch› abgewendet oder die im Erdbebengebiet Armeniens verschüttete Protagonistin der dritten Staffel von «Wege zum Glück» in «letzter Minute» gerettet – nirgendwo sonst wird die
faszinierende Eigenheit der Märchen deutlicher, trotz des gewissen guten Ausgangs stets aufs Neue Spannung zu erzeugen.
Der Erfolg des importierten lateinamerikanischen Konzepts hatte jedoch nicht nur die serielle Glückssuche und das Anwachsen der Irrwege zu einem konzeptionellen Labyrinth zufolge, sondern zog auch weitere Eigenproduktionen nach sich. So übernahm die ARD nicht nur das eingeflogene Konzept der Telenovela, sondern auch die bewährte Endlosschlaufe. In «Sturm der Liebe» trotzen die wechselnden Protagonisten nun schon in der fünften Staffel den Tiefdruckgebieten im Bayrischen Wald – natürlich auch in diesem Fall nicht ohne die obligate Inkarnation des Bösen, Barbara von Heidenberg. Wenn im Februar 2010 die 1000. Folge über den Äther flimmert, wird bereits das nächste Protagonistenpaar gecastet, werden neue Intrigen ins Drehbuch aufgenommen und die mittlerweile ins Absurde angewachsene Familienbande der Saalfelds weitergestrickt.
Gerade in dieser Endlosschlaufe, dem immer wiederkehrenden Wechsel von Glück, Unglück und neuem Glück wird die Nähe zum ursprünglichen Volksmärchen deutlich. Ganz wie ein Märchen seine eigene Ordnung, eine stets sich wiederholende Form und Struktur aufweist, bieten die Adaptionen im öffentlichrechtlichen Fernsehen ein ebensolches stabiles Setting an. Schauplatz, Handlungs- und Darstellungsstruktur bleiben sich stets gleich. Der Zuschauer weiß, was ihn während gut zweihundert Folgen erwartet und kann sich ganz auf die variierende Binnenspannung einlassen. Er leidet mit, ärgert sich in Internetforen über die unentdeckten Intriganten und sieht seine Erwartungen mit der Traumhochzeit und der anschließenden Abwanderung in die außerhalb der Film-
kulissen liegende glückliche Zukunft letztlich bestätigt. Doch die mediale Transformation ursprünglich mündlich tradierter Stoffe und Motive sowie die hinter der «flächenhaften» Erzählweise zurücktretende Ausgestaltung von Figuren, Schauplätzen und Handlungen erfordert so einiges. Schönheit, Wert und Geltung gilt es
in Bilder und einzelne Szenen zu übertragen, ohne deren Absolutheit anzutasten. Doch den Drehbuchautoren und Produzenten ist dazu einiges eingefallen. Um die absolute Unbescholtenheit und moralische Reinheit der Heldin zu unterstreichen, wird ihr als
einzige Figur eine Off-Stimme zugewiesen. Auf diese Weise erhält der Zuschauer unmittelbaren Einblick in ihre Gefühlswelt und kann sich von ihrem absolut integren Charakter immer wieder überzeugen. Auch die konstitutiven Gegensätze, Kontraste und Extreme werden vielfältig realisiert. Gut und Böse, Reich und Arm bilden zwar ans 21. Jahrhundert angepasste, aber nicht minder kategorische Grundstrukturen. Märchenschlösser, feudale Gesellschaftsstrukturen und magische Elemente weichen modernen Konstellationen. Reichtum und Macht der Unternehmerfamilie werden mittels in jeder Hinsicht aufwendiger Außendrehs inszeniert. Die Villa, das Gutshaus oder auch der Familienbetrieb ist der zentrale Schauplatz der Geschichte. Die Heldin wagt dort als unterbezahlte Arbeitskraft ihren Neuanfang, um sich spätestens nach 250 Folgen nicht nur als unentbehrliche Mitarbeiterin etabliert zu haben, sondern auch in die Geschäftsleitung einzuheiraten. So sind Bianca aus der ersten Staffel von «Wege zum Glück» oder Lisa Plenske aus «Verliebt in Berlin» Paradebeispiele für moderne Aschenputtelfiguren. Die aus einfachen Verhältnissen stammende Bianca beispielsweise saß sieben Jahre unschuldig im Gefängnis für einen Brand, den sie nicht gelegt hatte und bei dem ihr geliebter Vater gestorben war. Nach ihrer Entlassung findet sie Unterschlupf bei ihrer Cousine, die ihr nicht nur die Brandstiftung untergeschoben hat, sondern auch auf ihrem «Weg zum Glück» für die schlimmsten Rückschläge verantwortlich sein wird. Arbeit findet Bianca als Zimmermädchen auf dem Gutshaus der Privatbankiersfamilie Wellinghof und dort im Unternehmersohn auch ihre große Liebe. Ihr ganz großes Glück wird am Ende nicht nur mit der Traumhochzeit, sondern auch mit ihrem im Fernstudium nachgeholten BWL-Diplom und der Möglichkeit, selber
in das Familienunternehmen einzusteigen, besiegelt.
Um dieses Übermaß an Glück wie auch Unglück zu transportieren, macht sich das Genre eine ganze Bandbreite medialer Inszenierungen zunutze. Bereits im Vorspann wird die ganze Geschichte kurz umrissen, die Liebesgeschichte mit romantischer Musik ins Zentrum gerückt, während funkelnde Schriftzüge an die märchenhafte Dingwelt erinnern. Mit dem Wechsel von Schnee zu blühenden Blumenbeeten bei Bianca oder den verwelkenden und sich wieder zusammenfügenden Rosen in den folgenden «Wege zum Glück»-Vorspannen wird der lange, steinige Weg zum Happy
End angedeutet. Auch die einzelnen Folgen leben von extremen Gefühlen. Solche Momente höchsten Glücks oder bodenloser Enttäuschung und Verzweiflung werden mit Musik verstärkt und
in sekundenlangen Closeups am Ende der täglichen 45 Sende-
minuten eingefroren und ebenso hyperbolisch als Cliffhanger
inszeniert.
Neben den öffentlichrechtlichen hat sich auch der Privatsender Sat.1 an das lateinamerikanische Genre herangewagt. Mit «Verliebt in Berlin», der im Vorabendprogramm platzierten Adaption des kolumbianischen Kassenschlagers «Betty la fea», erzielte Sat.1 Traumquoten. Auch Sat.1 orientiert sich an der zeitlichen Begrenzung des Genres, der Fokussierung auf das Protagonistenpaar und das Happy End. Im Unterschied zu den öffentlichrechtlichen Sendern sendet Sat.1 nur 22-minütige Episoden. Der größte Unterschied liegt aber wohl in der Vermarktung der Telenovelas. Zwar haben die öffentlichrechtlichen Sender ebenfalls eigene Internetseiten mit Fanforen für ihre Telenovelas eingerichtet, mit Trailern Werbung in eigener Sache gemacht und mit Merchandising kräftig dazuverdient – doch war es der Privatsender, der in Sachen Marketing neue Maßstäbe setzte: Die Werbekampagne für «Verliebt in Berlin» und später auch für «Anna und die Liebe» waren kostspielig und flächendeckend. Neben aufwendigen Trailern wurde in Hochglanzmagazinen und auf Plakatwänden für die neue Sendung geworben. Mit Alexandra Neldel verpflichtete man zudem für die weibliche Hauptrolle nicht nur eine attraktive, sondern auch eine durch ihre Zeit bei der Erfolgs-Soap «Gute Zeiten Schlechte Zeiten» etablierte Schauspielerin. Damit wurde von Anfang an auf personenbezogene Vermarktung und Zuschauerbindung gesetzt. Zudem sollte die Akzeptanz der unattraktiven Hauptfigur Lisa Plenske gewährleistet werden, die mit Fatsuit, Brille, Frisur und Zahnspange zunächst aus dem gewohnten Schönheitsraster fiel. Doch natürlich wussten die Zuschauer von Anfang an, dass sie eine Verwandlung vom hässlichen Entlein in einen schönen Schwan erwarten durften. Auch die Inszenierung des Happy Ends nach mehr als 300 Folgen war unvergleichlich. Nachdem die Storyline wegen einer Babypause von Hauptdarsteller Mathis Künzler kurzerhand mit Actionelementen und einer zusätzlichen männlichen Hauptfigur, Rokko Kowalski, gestreckt wurde, stand die Traumhochzeit von Lisa und David plötzlich in Frage. Genauer: Sat.1 stellte schließlich die Frage: «David oder Rokko?» und lüftete die auf ein Zuschauervoting gestützte Entscheidung erst in der letzten Sendung. Dieser Abschluss wurde ebenfalls genregerecht inszeniert: In einer vierstündigen Live-Sendung zur Primetime an einem Freitagabend heiratete Lisa schließlich David. Die Einschaltquoten waren ebenso gigantisch wie die mit diesem Spektakel ausgelösten Gefühle bei Zuschauern, Senderchef und Schauspielern. Denn letztere hatten ebenfalls keine Ahnung, welche der beiden abgedrehten Hochzeiten letztlich gesendet würde. Die zu Tränen gerührte Alexandra
Neldel wurde zum Sinnbild für die überwältigenden Gefühle dieses Abends und dieser bislang erfolgreichsten deutschen Telenovela.
Auch die zweite auf diese Weise umgesetzte und mit einer im deutschen Fernsehen bereits etablierten Hauptdarstellerin besetzte Telenovela «Anna und die Liebe» konnte an den Erfolg von «Verliebt in Berlin» anknüpfen. Jeannette Biedermann alias Anna eroberte als «das schüchternste Mädchen der Welt» nicht nur
die Herzen der Zuschauer, sondern nach etlichen Umwegen auch das des Juniorchefs Jonas Broda. Diese Abhängigkeit von einzelnen Schauspielern führte allerdings nicht nur zu Zuschauerrekorden, sondern nach Alexandra Neldels Ausstieg aus «Verliebt in Berlin» zu ebenso rasanten Quotenverlusten. Dazu kamen in den Folgeproduktionen (d.h. in der zweiten Staffel von «Verliebt in Berlin» und in der zweiten in Auftrag gegebenen Telenovela «Schmetterlinge im Bauch») gewagte und vom Publikum nicht goutierte Änderungen des Genres. Roger Schawinski bringt die dabei gemachten Fehler in seinem Buch «Die TV-Falle» auf den Punkt: Telenovelas «setzen auf weibliche Hauptdarsteller», nicht auf männliche, wie dies in der zweiten Staffel von «Verliebt in Berlin» gewagt wurde. Telenovelas erfordern «höchstmögliche romantische Eindeutigkeit», keine unentschlossene und orientierungslose Träumerin, wie es die Protagonistin Nelly in «Schmetterlinge im Bauch» war. Telenovelas leben von dem
Spannungsbogen zwischen dem Magic Moment und dem Happy End, also von der Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten. Humor und Intrigen müssen Nebenhandlungen bleiben und nicht wie in «Schmetterlinge im Bauch» auf Kosten der Romantik zum Hauptbestandteil werden. Schließlich: «Telenovelas sind moderne Märchen und bedienen sich der Grundmuster dieser traditionellen Erzählform, die sich in allen Gesellschaften über Jahrhunderte hinweg ausgeformt haben.» Daran darf nicht gerüttelt werden, wenn die Quote stimmen soll.
Sat.1 hat daraus gelernt und mit «Anna und die Liebe» an das Konzept von «Verliebt in Berlin» angeknüpft. Auch die sich bereits bewährte Endlosstruktur von «Wege zum Glück» und «Sturm der Liebe» wurde adaptiert. Dennoch haben sich die Autoren noch nicht getraut, Anna und Jonas, die Helden der ersten Staffel, aus der Telenovela herauszuschreiben. Obwohl die Protagonisten der zweiten Staffel von «Anna und die Liebe» schon lange an Bord sind und die Off-Stimme von Anna auf die neue Heldin Mia übergegangen ist, obwohl Mia den Magic Moment mit ihrem Märchenprinzen bereits erlebt hat und der Spannungsbogen hin zum Happy End damit eröffnet wurde, stützt Jeannette Biedermann alias Anna noch bis im Frühsommer 2010 die Einschaltquoten. Fraglich, ob die einstige Protagonistin als Freundin und Beraterin der neuen Hauptfigur die Zuschauer längerfristig bei der Stange halten kann, oder ob Sat.1 mit dieser Strategie gerade dabei ist, das nächste Quotendesaster zu produzieren. Denn: «Telenovelas sind moderne Märchen», geprägt von Extremen, in denen Grauzonen wie zu Nebenfiguren degradierte Heldinnen keinen Platz haben.
Trotz des einen oder anderen Fehlgriffs in der Drehbuchgestaltung hat sich das Genre der Telenovela in den letzten fünf Jahren zu einem festen Bestandteil des deutschsprachigen Fernsehprogramms etabliert. Mit der länderübergreifenden Ausstrahlung der Produktionen im ZDF, ORF2 und SF2, mit dem Starhype bei Sat.1 und der generellen Möglichkeit, die Sendungen nicht nur im Nachmittags- oder Vorabendprogramm, sondern jederzeit auch im Internet oder als Podcast anzusehen, erreichen die Telenovelas ein breites Publikum. Diese modernen Märchenadaptionen sind heute im Unterhaltungssegment so populär, dass für sie – wie einst für die mündlich tradierten Volksmärchen – gilt: Und wenn ihre ehernen Gesetze nicht gebrochen sind, so plätschern ihre Geschichten noch jahrzehnte-, wenn nicht jahrhundertelang in Richtung immer wieder aufgeschobenes ENDE.
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