Tal Cohen, *1974, lebt in Bern. Erstpublikation: «Nachdunklung», Lyrik, Nimrod Verlag, 2003.
Hauptpreisträgerin 2. Heinz-Weder-Preis für Lyrik 2001. Die preisge
krönten Texte sind publiziert, die hier abgedruckten Gedichte sind bis anhin unveröffentlicht.
Tal Cohen
Bergung
Du wirst
erst heilen
wenn nirgends mehr Welt ist
dein Feuer
leise in mich senken
bis mir mein Körper
flammend entgleitet
bis die Lider leer geleckt sind
und die Zeit
aus der Haut gelöscht
so dass ich
still werden darf
unter deinen sanften Händen
niederbrennen
ausblättern
hineinwachsen
in ein letztes Wort
das nur auf dich hört
passage musical
Ich weiß nichts
von der letzten Flucht oder
der Notwendigkeit einer Wohnstatt
auf Zeit
ich schwinge nur leise
zum Klang der Welt
in deren entferntestem Körper
und besinge die Nacht
mit den Augen des Wahns
und seinem zerrissenen Mund
am Ende
trägt mich keiner
von hier nach dort
meine Insel wird untergehn
was bleibt ist zu atmen im Takt
dessen, der geht
durch ein unbewohnbares Herz
Was es ist
es ist ein funkeln von stimmen
hinter spiegeln
es ist eine hohe kälte
die nach dir greift
es ist etwas und nichts
das unerkannt horcht
ein tanz ein taumel
ein aufdunkeln der angst
es ist ein atmen von händen
und gestutzten flügeln
es ist
eine erinnerung über abgründe an
du-weißt-wohin
|