Anton Bruhin, *1949 in Lachen (SZ). Seit 1968 macht er Zeichnungen, Malerei, Text und Musik. Veröffentlichungen bei Urs Engeler Editor, u.a. «Spiegelgedichte und weitere Palindrome» (2003). Die folgenden Gedichte entstammen dem Zyklus «sibe gedicht» (1975–1977).
Anton Bruhin
1
hüt am morge
weissi nüt
nüt am weissi
morge hüt
müt am horge
heissi nüt
wüt am meissi
worge hüt
nüt am worge
neissi hüt
müt am heissi
horge nüt
2
(in einem atemzug vorzutragen)
mäntig
mäschtig
mischtig
zischtig
zittig
mittig
mittwig
mittwich
mittwuch
dittwuch
duttwuch
duntwuch
duntwich
duntich
duntig
dunschtig
funschtig
finschtig
fintig
frintig
fritig
ritig
rischtig
rimschtig
ramschtig
samschtig
samtig
santig
suntig
sunntig
3
(in einem atemzug vorzutragen)
januar
jenuar
jebuar
jebruar
februar
febrar
febar
mebar
merbar
merba
märba
märb
märz
marz
mari
maril
mapril
april
apri
mapri
mapei
maei
mai
jai
jani
juni
juli
auli
augi
augis
augist
august
saugust
sapgust
saptust
saptäst
saptämt
saptämb
saptämbe
septämbe
septämber
sektämber
sekteber
sokteber
soktober
oktober
noktober
noktäber
noktämber
nokämber
novämber
nevämber
nezämber
dezämber
4
die wäsche isch zum waschen da / zum waschen da
(u. s. f.)
die betten sind zum betten da
die fässer sind zum fassen da
die fische sind zum fischen da
die chälber sind zum chalbern da
die fälle sind zum fallen da
der turscht isch zum verturschte da
die kerzen sind zum kürzen da
die hände sind zum handeln da
die wände sind zum wandeln da
die bräuche sind zum brauchen da
die brille isch zum brüllen da
die bälle sind zum ballen da
die nasen sind zum niesen da
die windeln sind zum wickeln da
die fliegen sind zum fliegen da
die briten sind zum braten da
die schotten sind zum schütten da
die weine sind zum weinen da
die toten sind zum töten da
die schafe sind zum schaffen da
die schiffe sind zum schiffen da
die reichen sind zum reichen da
die weichen sind zum weichen da
die räder san zum radeln da
die wiener sind zum wienern da
t öschtricher sind zum schtriche da
t schwizer sind zum schwitzen da
die mythen sind zum mieten da
die butter isch zum buttern da
die taube zum betäuben da
der boden isch zum bödele da
die schienen sind zum scheine da
der schwindel zum verschwinden da
5
muess ghöri au richte
so nuele mänge nu
is froschloch!
= so ghöri mänge richte =
= es fröscheloch! zwölf hütte dri =
= s’ isch nüd zum prichte =
mit redli blätz ruig
um gsottne fähne gige duss
sind chappe rächt nüd ribe
sich eischter! am block
= mit gsottne blätze gige =
= sich eischter! e chappe a =
= s’ isch zum verschwige =
für anderi nare der schatz
mäng mänge würd
ischt vogel wie nacht
schwarze fründ! e schtund
= zip! zip! bischt niene ume? =
= wart nur ächli, ich chume =
6
ber litzen ali tander bar
das nie ein riff erzieht
am arsche
on wass raschen is niclar
belichtung das wo nie bemüeht
oder dur den marken
so winken wir und brauchen zigaretten
wehn dich wie blauen wahn
dann geben deine an da wann
sa zisch in geile fetten
doch lieber ischt er patikän
de wee se seit, de fand er lern
se litzen ali tander bar
und räumen tose graten
von musaukitomaten
ber litzen ali wunderbar
ben lachen sott bei gau
der bau git dann und wann zu tau
se bendes tunderdar
mi nusikox de trawaltar
rabautz es tön so bimmelrah
eva ramina
7
bon straiblotik avaggesti bleem
zu rienegelatore, vermeiser winame nabe
geratiswohl
grue waskle die tuusige vo schtuck
berlü berlü
geretz es wär de beitligere bei
du amu tätsch ender
schröber wie wettliger
amene drischti settige traum
und det ä nu gripped wes ame seisch
ta gehe se beef
en tote schlegel zwüschet halmetächer
verschtreut vo vilne geteraschte
rächt sig de ma mit sine hundert fächer
mit all sim schpäck im chaschte
guet. wet aber au nielisch verbelikation
uber all de begaun, de rigel betreusch
we gad at seck
i some momänt wo zögile
umerthalbe schtönd
beraschtige gönd wi gäbigemiz
wie gäbigemizake
naims de sig en baltänder we du
brätsch immer nu gige
gelangg ane firmalezängg
öligi mänsche mit grinde zum hüete
lose, tänke, büschelwis
bi reine finder täg das eis bidüte
rundi schue, paarwis
bi wetti bimeilig en zingge beschlo
en zingge we blinige schtau
das hebene lang
und chelternischto bi gir und bigoscht
disnige lampeter aschtäferlinge
priskamezwänger
drüklabeschtin
birand birabenand
aber schtender voll wi nu gad gägepolön
legs doch de line, de drobet jolengeway
fii----
lee----
mooo
gibene dang
gibene däng
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