entwürfe - Zeitschrift für Literatur

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Simon Froehling, *1978, lebt als freier Autor und Übersetzer in Zürich. Veröffentlichte Prosa und Hörspiele in Zeitschriften und Anthologien. Stipendiat des Dramenprozessors 03/04.


Simon Froehling

berlinspielen/playing berlin

und das geht so: beim reichstag zusehen wie ein raubvogel eine nebelkrähe fängt und überwältigt sein ob der grausamkeit und shoppen gehen und dann doch nichts kaufen und dich meinen kaffee auf deiner bonuskarte abpunkten lassen und über die schaubühne lästern weil «gier» die nächsten drei tage ausverkauft ist und so tun als würden wir alle kennen und auch die autorin würden wir kennen obwohl die autorin längst tot ist und wir ohnehin nur einige wenige leute kennen und dann ins kino gehen und einen schrecklichen amerikanischen film sehen und ihn trotzdem irgendwie toll finden und mit deiner freundin in eine bar gehen in die frauen eigentlich nicht rein dürfen und nicht wirklich in stimmung kommen und erst zu hause merken dass wir wein hätten kaufen sollen und seit langem wieder schönen sex mit dir haben auch ohne küssen und dann gemeinsam auf dem schaukelstuhl fernsehen und für einen kurzen augenblick überhaupt keine eifersucht verspüren und ein bisschen schlafen bis die anderen aus dem osten zurückkommen und alle zusammen auf den flohmarkt gehen und deiner freundin einen grünen schal aus roher seide kaufen und sie verabschieden und die anderen irgendwo bei den platten verlieren und das ostdeutsche sandmännlein entdecken aber die puppe nicht kaufen auch wenn sie ganz billig wäre weil wir das viel zu nostalgisch finden und hand in hand mit dir durch den tiergarten nach hause cruisen und keinen einzigen schwulen sehen nicht mal von weitem und bei den engeln zum essen eingeladen werden und wieder im osten und dann eine ausrede finden um alleine ausgehen zu können und dir ganz zum schluss sagen du riechst nach viel zu lauter musik und mir ganz fest vornehmen dich nicht zu vermissen und keinen einzigen moment an meiner selbst zweifeln. und dann wieder wegfahren. and this is how: beim reichstag zusehen wie ein raubvogel eine nebelkrähe fängt and be overwhelmed by the cruelty und shoppen gehen but not buy anything after all und dich meinen kaffee auf deiner bonuskarte abpunkten lassen and bitch about the schaubühne weil «gier» die nächsten drei tage ausverkauft ist and pretend that we know everyone und auch die autorin würden wir kennen although the author is long dead und wir ohnehin nur einige wenige leute kennen and go to the cinema und einen schrecklichen amerikanischen film sehen but still kind of like it und mit deiner freundin in eine bar gehen in die frauen eigentlich nichtn rein dürfen and not really get into the swing of things und erst zu hause merken dass wir wein hätten kaufen sollen and have good sex for the first time in ages auch ohne küssen and watch tv together in the old fashioned rocking chair und für einen kurzen augenblick überhaupt keine eifersucht verspüren and sleep bis die anderen aus dem osten zurückkommen and take them all to the flea market und deiner freundin einen grünen schal aus roher seide kaufen and say goodbye to her und die anderen irgendwo bei den platten verlieren and find the east german sandman aber die puppe nicht kaufen even though it's really cheap weil wir das viel zu nostalgisch finden and cruise home hand in hand through the tiergarten und keinen einzigen schwulen sehen not even from afar und bei den engeln zum essen eingeladen werden and again the east und dann eine ausrede finden um alleine ausgehen zu können and right at the end tell you that you smell of music much too loud und mir ganz fest vornehmen dich nicht zu vermissen and repeat the promise und keinen einzigen moment an meiner selbst zweifeln. and then leave again. and this is how: watch a bird of prey catch a crow in the tiergarten and be overwhelmed by the cruelty and go shopping but not buy anything after all and let you stamp the credit for my coffee onto your bonuscard and bitch about the schaubühne because ‹crave› is completely sold out and pretend that we know everyone and even the author although the author is long dead and we barely know anyone and go to the cinema and watch a terrible american movie but still kind of like it and take your friend to a bar where women actually aren't allowed and not really get into the swing of things and only realise at home that we should have bought wine and have good sex for the first time in ages even without kissing and watch tv together in the old fashioned rocking chair and for a short while not feel any jealousy whatsoever and sleep until the others get back from the east and take them all to the flea market and buy your friend a green shawl made out of raw silk and say goodbye to her and loose the others somewhere by the vinyl and find the east german sandman but not buy the doll even though it's really cheap because we think that's far too nostalgic and cruise home hand in hand through the tiergarten and not see a single gay guy not even from afar and get invited for dinner and again the east and find an excuse to go out on our own and right at the end tell you that you smell of music much too loud and promise myself not to miss you and repeat the promise and repeat the promise and repeat the promise ...

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