entwürfe - Zeitschrift für Literatur

..Ausgabe 41
..Sie


Zsuzsanna Gahse, *1946 in Budapest. Seit 1956 lebt sie im deutschsprachigen Raum, seit einigen Jahren in Müllheim, Schweiz. Müllheim ist auch Thema ihres letzten Buches «durch und durch (Müllheim/Thur in drei Kapiteln)», Edition Korrespondenzen, Wien 2004. Neben ihren Prosatexten schreibt sie szenische Arbeiten und Texte zur Bildenden Kunst und arbeitet als Übersetzerin aus dem Ungarischen.


«Ich lasse die Sätze denken»

Werkstattgespräch mit Zsuzsanna Gahse


«entwürfe»: Ihre Texte besitzen eine wunderbare Leichtigkeit, gerade auch Ihr letztes Buch. Man hat da den Eindruck, Sie sitzen am Fenster, schauen zur Straße hinunter und schreiben, was Ihnen, mehr oder minder assoziativ, einfällt. Wie schwer ist es, mit dieser Leichtigkeit zu schreiben?

Zsuzsanna Gahse: Das Buch sollte, wie eigentlich alle meine Texte, leicht wirken. Aber der Text ist genau komponiert; ich habe viel dran gearbeitet, bis das, was Sie Leichtigkeit nennen, durchkam. In Ihrer ersten Frage steckt ja eine zweite: Ob ich einfach hinunter geschaut und geschrieben habe. Manchmal habe ich schon geschaut. Manches habe ich wirklich hier beobachtet. Doch dann gibt es immer Geschichten, die nicht nach Müllheim gehören oder die ich notwendigerweise erfinden musste, um etwas zu charakterisieren. So ist es auch bei den Dorfbeschreibungen: Es geht nur zum Teil wirklich um Müllheim, zum Teil fließen auch andere Dinge ein, sowohl Fiktionen als auch Nicht-Fiktionen. Zum Beispiel gibt es in diesem Buch auch Witze. Wirkliche uralte Witze, die ich noch von zuhause her kenne. Die nachzuerzählen fand ich wunderbar. Durch solche Einschübe knirscht das Ganze: Mal ist der Text ernst, mal unernst, mal tauchen Partikel aus einem Wissenschaftsbericht auf.
Nur ein Wort zum Stichwort assoziativ: So schreibe ich nicht. Sondern ich lasse die Sätze denken, einer muss den nächsten quasi hervorbringen; es sind die Sätze selbst, die als eine erste Spur vorhanden sind, und aus denen resultieren dann die weiteren Sätze.

«entwürfe»: Manchmal hat man das Gefühl, dass Sie in Ihrem Buch mit einem fremden Blick auf alltägliche Sachen sehen. Kommt das daher, dass Sie nicht hier aufgewachsen sind?

Zsuzsanna Gahse: Das ist schwer zu beantworten. Weil ich da, wo ich angefangen habe aufzuwachsen, in Ungarn, noch nicht geschrieben habe. Aber ich glaube, es ist typisch für mein Schreiben, dass ich das zum Thema mache, was mich umgibt. Helmut Heißenbüttel jedenfalls hat mir das fast sofort auf den Kopf zugesagt. Ich habe mein zweites Buch in Stuttgart und auf der Schwäbischen Alb platziert, der «Kellnerroman» spielt in Luzern, weil ich in Luzern lebte, «Nichts ist wie» ist ein Buch, das meine Mutter porträtiert, und die beschriebenen Orte hängen wirklich mit ihr zusammen. Ich sehe mich manchmal als eine Fotografin, die möglichst viel festhält und anhand vom dem, was sie sieht, zu schreiben beginnt. Und ich finde Müllheim, die Lage des Ortes, nämlich die Situation als Durchfahrtsort, sehr spannend. Gerade angesichts der Geschwindigkeiten, der Durchfahrtsgeschwindigkeiten. Und dann geht es nicht nur um Müllheim. Die hiesige Straße kann endlos verlängert werden, bis nach China, Ungarn, nach Spanien. Ich habe, bevor ich mit dem Buch angefangen habe, viel gezeichnet, und bei diesen Zeichnungen liegt Müllheim tatsächlich auf der Linie zwischen, sagen wir mal, Kiew und Granada. Oder zumindest zwischen Wien und Basel.

«entwürfe»: All das spricht für die Komposition Ihrer Texte. Aber ist das nicht etwas, was schreibenden Frauen schneller als ihren männlichen Kollegen widerfährt? Dass die Kunstgriffe der Lakonie und der Naivität ungebrochen gedeutet werden? Ich denke da nicht nur an Ihr letztes Buch, sondern gerade auch an den «Kellnerroman».

Zsuzsanna Gahse: Ich glaube, die bewusst gewählte Naivität, die sich von den kleinen Dingen auf die großen überträgt, die keinen erhobenen Zeigefinger hat, ist nicht typisch für Frauen, sondern für die moderne Literatur insgesamt, und zu dieser Tendenz gehört, dass der Text zeigt, wie er überlegt. Manche Sachen muss man auch zwei Mal lesen, bis man entdeckt, was hinter der vermeintlichen Leichtigkeit eines Textes steckt. Letzten Endes ist das wie in der Bildenden Kunst: Meist haben es gerade die Bilder, die mit scheinbarer Leichtigkeit auftreten, in sich.
Ich möchte aber im Zusammenhang mit dieser Frage auf ein anderes Thema vorgreifen, auch, weil Sie gerade den «Kellnerroman» erwähnt haben: Da war es mir ziemlich wichtig, dass einmal ein Mann dargestellt wird. Denn das ist etwas, was mir an der Literatur, die von Frauen geschrieben wird, fehlt – meine eigene eingeschlossen: Es werden keine Männer dargestellt. Von Männern geschaffene Frauenfiguren gibt es reichlich. Anna Karenina, die Carmen, die Lulu. Von Frauen erschaffene Männerfiguren gibt es kaum. Dabei wäre das spannend: Wir müssen als Frauen nicht immer nur uns selbst erschaffen, nachbilden, abbilden.

«entwürfe»: Woran mag das liegen, dass Frauen vorwiegend Frauen beschreiben? Womöglich am Respekt seitens der Frauen, sich den Männern in dieser Form zu nähern?

Zsuzsanna Gahse: Die Literatur hat eine Spur vorgelegt. Bisher wurden vor allem Frauen beschrieben, von der Männerseite. Aus der Sehnsucht nach der Frau. Die Frauen haben den Absprung noch nicht geschafft, eigentlich schade. Sie bleiben einfach bei sich, und dadurch wird ihr Schreiben weniger – jetzt sage ich ein durch Reich-Ranicki geprägtes Wort, das ich ansonsten eher spöttisch zitiere – welthaltig. Sehr intensive Selbstporträts können zwar interessant sein, aber meist ist es nicht viel, wenn man einfach nur so über sich selbst schreibt, als würde man sich im Spiegel sehen.
Für die Frauendarstellungen von Frauen gibt es allerdings verschiedene Gründe. Wenn man zum Beispiel an Virginia Woolf denkt. Sie hatte ja eine Neigung zu Frauen, also ist sie mit ihrer Neigung gar nicht weit weg von der männlichen Vorstellung; es geht auch in ihrem Fall um das Interesse an Frauen. Man könnte das auch von Gertrude Stein sagen. Ein interessantes Phänomen: dass viele der großen Frauen, der frühen Autorinnen, sich für Frauen interessierten. Oder betrachten Sie Georges Sand, die dieses Interesse nicht hatte, sich aber als Mann verkleidete, verkleiden musste. Das sind recht interessante Vorfahrinnen der heute schreibenden Frauen.

«entwürfe»: Entsteht eine Tradition des «weiblichen Schreibens» dadurch, dass Autorinnen sich an Autorinnen orientieren?

Zsuzsanna Gahse: Ja, diese Orientierung gibt es. Meinerseits habe ich mich allerdings auch an E.T.A. Hoffmann orientiert, weil er für mich den Einstieg in die Psychologie bedeutet. Wie auch Edgar Allen Poe. Und Kierkegaard war für mich wichtig, weil er bei seinem «Entweder-Oder» so unglaublich gute, unerwartete Sprünge macht, dass das ganze Textgebilde knirscht. Da äußert er beispielsweise Gedanken über die Ästhetik, ruft dann plötzlich aus: «Don Giovanni ist die beste Oper!», und unmittelbar danach erzählt er eine kleine Geschichte über eine Frau, dann ruft er wieder aus, dann denkt er wieder nach, und all diese Bestandteile passen eigentlich nicht so recht zusammen. Gerade an dieser Unausgewogenheit spürt man bei Kierkegaard die Kräfte, die an ihm, in ihm arbeiten, und genau das ist es wohl, was seine Texte modern macht.

«entwürfe»: Ich hatte in einem neueren Lesekanon Ihren «Kellnerroman» empfohlen gesehen – und daneben relativ wenige Texte anderer Autorinnen, auch noch für die Zeit nach 1989, einer Zeit mithin, in der doch sehr viele Autorinnen reüssierten. Woran liegt es, dass Frauen im akademischen Umfeld weniger rezipiert werden?

Zsuzsanna Gahse: Bei den unterschiedlichen Lesungen und Symposien sehe ich durchaus, dass sich die Veranstalter schwer damit tun, Frauen einzuladen, dass sie nicht recht wissen, wen sie einladen sollen. Das ist verwunderlich, es gibt ja eine ganze Reihe interessanter Autorinnen. Die Einladungen, die mich selbst betreffen, sind ein Thema für sich. In den 80er Jahren wurde ich in Deutschland gut wahrgenommen, später war dort eine Nachholliebe zur eigenen Nation entstanden, indem man nur Aufmerksamkeiten für ostdeutsche Autoren hatte und nach dem damals erwünschten «Berlinroman» suchte. Zu dieser Zeit wurde ich plötzlich als ungarische Autorin gesehen, obwohl ich mich immer als deutsche, zumindest als deutschsprachige Autorin begriffen hatte. Ich wurde ja im deutschen Sprachraum sozialisiert, ich denke und schreibe nur deutsch, auch wenn ich dieses Andere, die ungarische Sprache, im Hintergrund habe und das natürlich mitwirkt. Und dann habe ich Deutschland verlassen – das auch noch! – und lebe jetzt in der Schweiz, und die Schweizer Literatur wird in Deutschland nun auch nicht gerade vehement wahrgenommen. Erst das letzte Buch hat den richtigen Sprung über die Grenzen geschafft.
Ich glaube, das ist überhaupt ein Phänomen unserer Zeit: Einige wenige Namen kursieren, die werden wiederholt, und dabei vergisst man die anderen, und vielleicht ist auch dies ein Grund dafür, warum viele schreibende Frauen gerade nicht wahrgenommen werden.

«entwürfe»: Ich habe den Eindruck, auf schreibende Frauen lauern immer wieder etliche «Fallen» – wie zum Beispiel der Begriff «Fräuleinwunder», mit dem Frauen geradezu zu Tode gelobt wurden.

Zsuzsanna Gahse: Ja, das war absolut negativ für die Betroffenen. Sie sind nicht zu bedauern, das nicht, weil man ja mit dem Begriff von anderen Autorinnen abgelenkt hat. Insgesamt wurden die Gewichtungen falsch oder übertrieben gesetzt.

«entwürfe»: In diese Richtung geht vielleicht auch die Tendenz der 90er Jahre, junge Autorinnen und Autoren extrem zu fokussieren. Haben Sie das auch so wahrgenommen?

Zsuzsanna Gahse: Ja. Und diesen Trend gibt es auch heute. Jetzt eher im Theaterbereich: Man fördert junge Autoren, und die Stücke gestandener Autoren werden nicht wahrgenommen. Entweder die Jungen – oder man schreibt irgendwelche Prosaarbeiten vom liebsten Musil um oder von Nestroy, von wem auch immer. Aber warum muss man Prosatexte umschreiben oder nur Theaterstücke der Jungen nehmen? Unter diesem Trend leiden auch meine Stücke. Oder auch ein aktuelles von Peter Esterhazy, das ich übersetzt habe: phänomenal, spritzig! Spielt aber niemand. Ich kenne viele Autoren, die einfach nicht gespielt werden. Das sind so die Desorientierungen.

«entwürfe»: Aber ist es nicht auch gut, wenn junge Autoren gefördert werden?

Zsuzsanna Gahse: Ja, nur müssen sie nicht überfördert werden. Und damit vielleicht auch überfordert. Weil man nun dauernd meint, ein neuer Büchner sei soeben geboren worden. Das kann sich auch durchaus negativ auf die weitere Textproduktion eines Autors auswirken.

«entwürfe»: Elfriede Jelinek hat in einem Interview gesagt, als Frau verkaufe man in der Literatur immer auch seinen Körper.
Haben Sie denselben Eindruck? Und finden Sie, dass sich das mit den 90er Jahren und dem Fräuleinwunder-Boom verstärkt hat?

Zsuzsanna Gahse: Die äußere Erscheinung spielte auch früher eine Rolle. Ich glaube, dieser Satz der Jelinek ist richtig. Die Frage ist, wie geht die jeweilige Autorin mit der Forderung nach Äußerlichkeiten und Weiblichkeit um? Sicher hat diejenige Autorin, die sich nicht entsprechend verhält, Nachteile, ganz sicher. Oder auch, wenn sie sich einer so genannt freundlichen Aufforderung gegenüber neutral verhält. Dann gibt es das beleidigte Gegenüber. Das ist schon so. Wahrscheinlich ist das auch nicht ganz zu eliminieren.
Ich möchte noch von mir aus zum Thema Frauen etwas sagen: Ich empfinde es als Nachteil, wenn Frauen «über uns Frauen» und immer in der Mehrzahl sprechen. Weil ich bin nicht «die Frauen», sondern ich. Wir erwarten ja auch, dass wir von den Männern als Einzelne wahrgenommen werden, nicht als Gruppe. Und wir nehmen die männlichen Autoren ja auch so wahr: als einzelne Autoren, die nicht über ihr Geschlecht definiert werden. Ich bin nicht verantwortlich für alle Autorinnen, sondern nur für mich.
Ich mag einzelne Autorinnen, aber beileibe nicht alle.

«entwürfe»: Ich sehe das Dilemma. Aber gleichzeitig halte ich es, gerade in Anbetracht der im akademischen Bereich nach wie vor herrschenden Unterrepräsentanz der Autorinnen, für notwendig, deren Schaffen besonders in den Vordergrund zu stellen, sogar auf die Gefahr hin, dass damit ein Quoten- oder Sonderstatus der Autorinnen entstehen mag.

Zsuzsanna Gahse: Das finde ich vollkommen richtig. Trotzdem kann ich als Autorin zunächst nur für mich sprechen und nicht grundsätzlich für alle anderen Autorinnen.

«entwürfe»: Ist es gefährlich, «SIE» zum Thema eines «entwürfe»-Hefts zu machen? Reproduzieren wir damit nicht nur die Stereotypen und schreiben die Klischees nochmals fest? Die Alternative wäre vielleicht, man spricht gar nicht mehr über das Geschlecht eines Autors, einer Autorin.

Zsuzsanna Gahse: Nein, das ist keine Alternative. Aber ich weiß nicht, ob man wirklich feststellen kann, was weibliches Schreiben ist. Ich glaube, man muss sich die Frage stellen, inwiefern man mit dem Begriff der «weiblichen Autorschaft» Klischees reproduziert.

«entwürfe»: Haben Sie den Eindruck, dass der Literaturbetrieb sehr netzwerkorientiert ist? Dass Netzwerke nötig sind, um auf diesem Markt bestehen zu können?

Zsuzsanna Gahse: Ja, so wie überall Netzwerke nötig sind. Bei diesem Netzwerk allerdings haben Frauen ihre spezifischen Rollen und entsprechend ihre spezifischen Probleme, und darüber müsste man lange reden, dazu wäre viel zu sagen. Zum Beispiel gibt es da die Frauenrollen, die Männerrollen, und wie sich diese Rollen verkomplizieren, wenn eine Frau der Rolle nicht entsprechen will.
Was die Frauen betrifft, sehe ich, und das bedrückt mich ein bisschen, dass es in Ungarn eigentlich keine Frau geschafft hat, sich im Literaturbetrieb zu etablieren, und ich frage mich, ob das nicht mit diesem Netzwerk der Gesellschaft zusammenhängt. Wahrscheinlich ist es so, dass sie in einer innovativen Rolle grundsätzlich nicht akzeptiert werden. Es kann ja kein Zufall sein, dass die Ungarinnen, die im Ausland leben, schreiben: Die Agota Kristof schreibt, und zwar einen eigenen Stil. Theresia Móra, Christine Viragh schreiben, und man liest sie. Wieso ist das so, während in Ungarn solche Namen fehlen? Im Ungarischen gibt es übrigens kein Er, Sie, Es. Für alle diese Personen gibt es nur ein Fürwort, und ich habe eine ganze Zeit lang gedacht, dass damit eine größere Gleichheit besteht, aber dem ist nicht so, im Gegenteil: Es gibt nur das Männliche, den männlichen Autor, nichts daneben.

«entwürfe»: Kann man Schreiben lernen? Was halten Sie zum Beispiel von den Literaturinstituten in Deutschland? Auch in der Schweiz steht ja eines in Planung.

Zsuzsanna Gahse: Das ist eine schwierige Frage. Ich habe ursprünglich gedacht, dass man Schreiben nicht lernen kann. Den Begriff «creative writing» finde ich entsetzlich, weil man das Kreative sicher nicht lernen kann. Aber dann wurde ich von der Tübinger Universität überredet, ein Schreibseminar zu geben, und habe das dann immerhin während neun Semestern gemacht. Es war erstaunlich, wie viel diejenigen, die ohnehin schreiben können, dazugelernt haben. Aber eigentlich meine ich, dass man durch das Lesen am meisten lernt. Und dadurch, dass man auf die Sprache achtet, den Leuten zuhört, ins Theater geht, in Ausstellungen; aus all dem lernt man viel. Das reichte doch den Autoren bis jetzt auch. Außerdem hat man noch ein paar Freunde, mit denen man über das eigene Schreiben spricht.

«entwürfe»: Neben der Übersetzungstätigkeit sind Sie sehr aktiv in der Kulturarbeit. Wie verträgt sich das mit dem Schreiben?

Zsuzsanna Gahse: Manchmal wird schon alles ein bisschen zu viel. Ich weiß nicht, wie lang sich diese beiden entgegengesetzten Arbeiten vertragen. Beim Schreiben braucht man Zeit, um sich einzufinden.
Ich schreibe nicht aus der Nachtlust heraus, sondern beginne lieber in der Früh und arbeite dann, so lange ich kann. Das kommt sicher auch daher, dass ich zwei Kinder habe: Ich konnte immer erst schreiben, wenn sie in der Schule waren. Man passt sich halt an. So ist das mit den biographischen Bedingungen – Kafka hat in der Nacht geschrieben, weil er tagsüber arbeitete.

«entwürfe»: Was halten Sie von den verschiedentlich laut werdenden Ratschlägen der Literaturkritiker an Nachwuchsdichterinnen, keine Kinder zu bekommen?

Zsuzsanna Gahse: Ach, ich finde es gut mit Kindern und gut ohne Kinder. Was sollen diese Bevormundungen, wir müssten das so oder so halten! Wo kommen wir denn da hin! Wir sagen den Männern ja auch nicht, wie sie es machen sollen. Ich wollte zum Beispiel gar keine Kinder haben, aber dann waren sie da, und ich mochte sie. Mit Kindern kann man durchaus schreiben. Und ohne auch.

Das Gespräch führten Susanne Reichlin und Annette Mingels.


Zurück zur Homepage

.
Herausgeber: Verein "entwürfe für literatur", Zürich
© Texte: "entwürfe für literatur", Autorinnen und Autoren
.