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Sabine Merz, *1967 in Winterthur. Studierte Architektur an der ETH Zürich und Szenisches Gestalten an der Fachhochschule für Kunst und Gestaltung in Zürich. Längere Auslandaufenthalte und Reisen rund um die Welt.
Sabine Merz
H. A. R. D.
Ein Audiowalk durch das Zürcher Stadtgebiet Hard
Die Hard war früher nur durch einzelne verstreute Höfe bebaut, ansonsten prägten Felder, Wiesen und Kiesgruben das Bild. Mit dem Bau der Eisenbahn und der beginnenden Industrialisierung wuchs AußersihlHard sehr schnell und ungestüm. Entstanden ist ein traditionelles Arbeiterquartier, wo früher vor allem Handwerker und Eisenbahner schweizerischer und italienischer Herkunft wohnten. Ein Quartier der «kleinen Leute» ist die Hard bis heute geblieben, verändert hat sich nicht nur die Zahl der Bewohner, sondern auch deren Zusammensetzung. Der Charakter eines Wohnquartiers, mit einem großen Anteil an Genossenschaftswohnungen, ist trotz starken Verkehrsbelastungen weitgehend erhalten geblieben.
Das Bild eines Ortes erschließt sich einem nur sehr langsam. Man braucht stets eine gewisse Zeit, um mit einem Ort vertraut zu werden oder sich einen Ort anzueignen. Unsere Vorstellung wird durch die soziale Stellung eines Gebietes, durch dessen Name, Geschichte oder Funktion beeinflusst, aber auch durch emotionale Komponenten, die in Wechselwirkung zum Betrachter stehen.
Die Situationisten experimentieren in ihrer Theorie der «psychogeografischen» Wahrnehmung der Stadt und in der Theorie des Um-herschweifens mit emotionaler Wahrnehmung. «Psychogeografie» bedeutet im Sinne der Situationisten: «Erforschung der genauen unmittelbaren Wirkungen, seien sie bewusst gestaltet oder nicht, des geografischen Milieus auf das emotionale Verhalten der Individuen». Wir nehmen also unsere Umwelt durchaus auch von innen wahr.
Der Audiowalk beginnt in einem Restaurant und führt anschließend durch das Zürcher Stadtquartier Hard. Er dauert 35 Minuten.
Beim Rundgang durch das Quartier wird der/ die Hörende von Stimmen begleitet. Das gesprochene Material stadtgeschichtlich relevante Texte, assoziative Texte aus der Literatur, fiktive Geschichten von Andrea Siering, einer Stadtnomadin, spezifische Geräusche aus dem Quartier, Ton aus Filmen im historischen
Kontext und weitere akustische Ereignisse sind collagenartig zu einem, den Rundgang begleitenden, Hörstück zusammengeschnitten worden.
Der Zuhörer wird von drei Stimmen begleitet. Eine Stimme führt durch das Quartier: Ihre Angaben sind sehr präzise, sie weist oft auf kleine Merkmale hin, an denen sich der Zuhörer orientieren kann. Sie nimmt Bezug zu dem, was der Zuhörer im gleichen Moment sehen kann. Sie zeigt, damit man sieht.
Die zweite Person ist historisch versiert:
Sie erzählt von Vergangenem und Gewesenem.
Die Auswahl der Texte steht in engem Bezug zum Ort.
Die dritte Person ist keck und träumerisch: Sie sucht und findet die Leerstellen der Stadt, ortet Orte mit Potenzial. Andrea Siering kreiert sinnliche und poetische Geschichten.
Ferner wurden aus den Geräuschaufnahmen der Umgebung ortspezifische Geräusche, die für die akustische Atmosphäre wichtig sind, in Form von Einzelgeräuschen oder in Form von einem Soundteppich herausgelöst. Versucht wurde auch durch die Mauern des Quartiers hindurchzuhören und die Innenräume und beispielsweise ihre Häuslichkeit akustisch erlebbar zu machen.
Die Stimmen weisen uns auf Sehenswertes hin, das wir selbst übersehen, sie schärfen und kanalisieren unseren Blick, informieren, damit wir erkennen. Eine etwas paradoxe Situation entsteht, damit wir einhalten und den Ort akustisch wahrnehmen. Wir hören Geräusche über den Kopfhörer, die nicht zum Gesehenen passen, ein Aufheulen eines Motors und wir sehen kein Auto. Das schärft gleichermaßen unseren Sinn, wenn wir das Auto gesehen hätten, so hätten wir das Geräusch eventuell überhört. Die Vielschichtigkeit der Geräusche nimmt noch zu, indem die realen Geräusche der Umwelt unmittelbar in uns eindringen und die Geräusche, die durch den Kopfhörer eindringen, stören, verändern, verstummen lassen.
Wenn man sich die Ohren zuhält, so dass kein Geräusch durchdringen kann, hat man das Gefühl, von der Umwelt abgenabelt zu sein und überhaupt nicht dazuzugehören. Anders verhält es sich mit den Klängen aus dem Kopfhörer. Sie helfen uns, unsere akustische Aufmerksamkeit zu schärfen, obwohl man von den realen Geräuschen abgeschottet ist.
Klänge können einen wieder an den Ort der Aufnahme versetzen. Wenn man sich den Audiowalk anhört, ohne durch das Quartier zu gehen, befindet man sich in einer fast physischen Erinnerung wieder im Hard-Quartier.
Den Audiowalk in 10 Teilen und einen dazu passenden Stadtplan können Sie gleich hier abrufen:
Track01
Track02
Track03
Track04
Track05
Track06
Track07
Track08
Track09
Track10
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