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Tullio Zanovello, *1962, lebt in Zürich als freischaffender Schriftsteller und Kunstmaler. Letzte Buchveröffentlichung: «Pandämonium. Ein Mosaik», 1991; Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien. Portfolio der Bilder unter: www.swissartwork.ch/t.zanovello.
Tullio Zanovello
Perpetuum mobile
TDie ehemalige Kugellagerfabrik lag in einem Vorortquartier. Ich hatte Mühe, den Eingang zu finden, und das lag wohl auch an der Sommerhitze. Vor allem aber war ich müde und mit den Gedanken woanders.
Seit Tagen war ich nur noch ein Schatten meiner selbst. Seit mir der Beamte vom Patentamt mitgeteilt hatte, dass sich meine Idee, auf die ich alles gesetzt hatte, nicht patentieren ließ, weil sie ganz einfach nicht funktionieren konnte, fühlte ich mich als Erfinder und Geschäftsmann am Ende. Weder die beheizbare Klosettschüssel noch der anhängliche Tamagotchi-Schlüsselbund und schon gar nicht die Wegfliesen, die im Winter ein Salz absonderten, um der Eisbildung vorzubeugen, hatten mir den erhofften Erfolg gebracht. Sei es, dass meine Ideen zu abwegig waren oder dass ich meine Prototypen nicht gut genug an den Mann zu bringen wusste, Tatsache war, dass ich in meiner nun beinahe zehnjährigen Tätigkeit als Erfinder nur einen Bruchteil von all dem erreicht hatte, was ich mir vorgenommen hatte. Dabei war ich mir in meinen Anfängen sicher gewesen, dass ich es bis nach oben schaffen würde, stattdessen ahnte ich nun, dass ich zwar ein guter Erfinder war, doch letztlich nicht gut genug. Anders konnte ich es mir nicht erklären, dass ich sogar an meinem ambitiösesten und wichtigsten Projekt gescheitert war: der Entwicklung eines Kraftwerks, das wie ein Herz funktionierte. Es presste Materie zusammen und lockerte sie wieder und wandelte die daraus entstehende Energie in Elektrizität um. Ein gewaltiges Ding, für das ich mindestens zwei oder drei potente Geldgeber, wenn nicht international agierende Konzerne gewinnen musste, wollte ich auch nur einen Prototypen davon bauen. Nun aber, nach Jahren der Arbeit und finanziellen Opfer, schien alles umsonst gewesen zu sein. Meine Berechnungen und Projektzeichnungen ließen offenbar nur den Schluss zu, dass die Energieleistung meines neuartigen Kraftwerks weit unter dem berechneten Wert und wegen einiger Probleme, die ich übersehen hatte, nahezu bei Null lag. Ich hatte offensichtlich eine Maschine entworfen, die alle Charakteristiken einer physikalischen Unmöglichkeit besaß: ewig aus sich heraus funktionieren und erst noch Energie abwerfen zu müssen, kurz gesagt ein Perpetuum mobile.
Was für ein Anfängerfehler!
Ich hatte zwar meine Zweifel an der Richtigkeit dieser Schlussfolgerung, doch ich fühlte mich außerstande, alles nochmals neu aufzurollen und die Berechnungen des Beamten zu überprüfen. Wenn es auch nur im Ansatz stimmte, war ich erledigt.
Mit solch düsteren Gedanken war ich zur ehemaligen Kugellagerfabrik gelangt und hielt nun in einer Ecke des Geländes, wo sich rostiger Schrott in Massen stapelte. Ich zog die Handbremse, als setzte ich den Schlusspunkt unter eine miese Bilanz. Ich war schon spät dran, doch statt auszusteigen, blieb ich sitzen, den Blick ins Leere gerichtet und in Gedanken ganz bei meinem Debakel. Ich hatte allen Grund dazu, besorgt zu sein. Schließlich war ich schon weit über die dreißig hinaus und sollte eigentlich schon die ersten Früchte meiner Anstrengungen ernten. Stattdessen lebte ich noch immer in meiner alten Studentenbude, die ich nur deshalb beibehalten hatte, um mein Geld in meine Erfindungen statt in Lebensqualität zu stecken. Das nützte mir aber nichts, noch vereinfachte es mein Privatleben. Im Gegenteil. Meine letzte Freundin verließ mich wegen eines Zahnarztes, weil er ihr mehr als bloß Hoffnungen auf eine bessere Zukunft bieten konnte. Ich hatte auf der ganzen Linie versagt. Ich war in eine Sackgasse geraten, und dies aus eigenem Antrieb!
Ich hätte alles hinschmeißen können. Wie satt ich es hatte, mich als freien Erfinder durchschlagen, von Schulden erdrücken und mit dem Patentamt herumstreiten zu müssen. Ich träumte davon, irgendeinen Job anzunehmen und als Angestellter ein leichteres und freieres Leben zu führen. Doch ich zögerte, als wagte ich nicht wirklich den Bruch. Ich litt beim Gedanken, alles, wofür ich gekämpft hatte, einfach im Stich zu lassen. So rannte ich nun auch einem neuen Auftrag nach, statt zu Hause zu bleiben, meine Bude auszumisten und meine Zukunft neu zu organisieren. Ich wollte nicht glauben, dass ich wirklich am Ende war.
So stieg ich aus und schloss das Auto ab, als sperrte ich meine bitteren Erkenntnisse und Ängste dort ein.
Ich wankte auf das Tor der Fabrikhalle zu und drückte den Rücken durch, um mir mehr Halt zu geben. Doch ich kam gar nicht dazu, mich aufzupäppeln, denn, noch während ich, geblendet von der Dunkelheit, in die Halle trat, schreckte mich wildes Hupen auf, und ein Gefährt rammte mich mit voller Wucht.
Es fühlte sich an wie eine Explosion. Ich fiel zu Boden. Rund um mich prasselten rote, weiße und giftgelbe Funken nieder, und jemand rief: «Mein Gott! Was hab ich da bloß getan!»
Ich rang nach Luft und hielt mir das Bein, doch die Schmerzen glühten und hielten mich fest in ihrem Griff. Eine Frau kniete sich neben mich nieder und schrie: «Sind Sie verletzt?»
Sie fragte mich, ob ich mir etwas gebrochen hätte, doch ich schüttelte den Kopf. Sie half mir auf, und ich staunte über ihre Kraft. Es war, als wöge ich nur noch halb so viel. Ich atmete tief durch und massierte mir das schmerzende Bein, doch die Frau lachte erleichtert und sagte: «Das war knapp. Ich bin in Eile, weil morgen die Plattenleger kommen. Da muss ich noch ein paar Abfälle entsorgen...»
Sie deutete auf den große Metallcontainer auf dem Gabelstapler, mit welchem sie mich umgefahren hatte, und ich nickte und humpelte ein wenig im Kreis. Es ging. Sie war untröstlich, doch ich winkte ab und murmelte: «Ich habe eine Abmachung. Wo finde ich...»
Ich kam nicht weiter, denn sie unterbrach mich und schrie: «Du suchst mich? Du bist der Erfinder, nicht wahr?»
Sie duzte mich, als hätte sie bereits alle Distanz zwischen uns niedergerissen, und zog sich die groben Arbeitshandschuhe aus. «Ich bin Milli!», sagte sie und streckte mir die Hand entgegen. «Ich habe nicht mehr mit deinem Erscheinen gerechnet! Ich war mir sicher, dass du dich verfahren hättest! Den meisten geht es das erste Mal so!»
Sie schüttelte meine Hand ungemein kräftig, mit einer Begeisterung, die wenig Feminines an sich hatte. Trotzdem war sie nicht unattraktiv. Sie trug einen eng anliegenden, pinkfarbenen Gymnastikanzug, helle, unmäßig gepolsterte Turnschuhe und eine Basketmütze, und wenn sie redete, warf sie den Kopf hin und her, sodass ihr blonder dichter Rossschwanz hin und her schlenkerte. Mit ihren strahlend blauen Augen und dem dichten, großen Gebiss sah sie aus, als besäße sie die richtige Ausstattung, um sich durchs Leben zu beißen. Ihre Brüste und Hüften waren voll und straff und ihre Haut tief gebräunt. Wahrscheinlich war sie älter als ich, doch sie strahlte Kraft und Gesundheit aus, so als sei ihr im Leben alles geglückt. Sie hakte sich bei mir unter und zog mich mit sich mit und erklärte mir, dass ich im Grunde gerade zur rechten Zeit gekommen sei, denn die meisten Handwerker seien gerade gegangen und sie könne sich nun voll und ganz auf mich konzentrieren. Das klang wie eine Drohung in meinen Ohren, doch sie presste mich freundschaftlich an sich, als wüsste sie von meinen Schwierigkeiten und wollte mich stützen...
Sie zeigte mir die Fabrikhalle, wo sich sengende Hitze staute, und erzählte mir dabei, dass sie das Gelände für ein Spottgeld erstanden habe und nun zu einem Fitnesscenter ausbauen wolle. «Es soll aber nicht ein x-beliebiger dröger Trainingsort werden, wie es sie schon so viele gibt, sondern etwas Spezielles! Ich möchte ein Center bauen, wo man sich die Pfunde vom Leibe trainieren und auch seinen Spaß haben kann. Davon aber reden wir später.» Ich war einverstanden. Mit oder ohne Spaß die Fitnesscenter an sich konnten mir gestohlen bleiben. Nichts als Kraftverschwendung! Zum Glück kam Milli dann zum Wesentlichen und sagte: «In der Zwischenzeit nur so viel: Ich habe dich herkommen lassen, weil ich Kosten sparen muss, und du sollst mir dabei helfen!»
Sie hüpfte im Gehen wie ein kleines Mädchen, und ich hinkte und stolperte über Bauschutt und Armierungseisen und musste dabei einen ziemlich miesen Eindruck machen, denn Milli unterbrach sich und fragte: «Ist dir nicht gut? Du bist ja kreideweiß im Gesicht!»
Ich schüttelte den Kopf und versicherte ihr, dass alles in Ordnung sei. «Es ist nur diese Hitze, ich ertrage sie schlecht.»
«Ich dachte mir gleich, dass du kein Sonnenanbeter bist! Du bist ja so blass, als hättest du Jahre in einem Keller zugebracht, aber das ist bei euch Erfindern wahrscheinlich eine Berufskrankheit.»
Sie schien sich göttlich zu amüsieren, doch ihre Bemerkung setzte mir zu, als sähe alle Welt mir meine nutzlosen Opfer an. Um sie von mir abzulenken, fragte ich: «Worum geht es also?»
«Ein gemeinsamer Bekannter hat dich mir empfohlen, weil du ein Spezialist für Energiegewinnung und Sparmaßnahmen sein sollst.»
Sie sah mich spöttisch an, als testete sie die Wirkung ihrer Worte auf mich. Ein nervöses Zucken bemächtigte sich meines linken Augenlides, doch ich nickte und sagte: «Ich denke, da hat er Recht...»
«Dann bist du der richtige Mann für mich!»
Sie erzählte mir von einer Freundin, die für ihren Schönheitssalon ein paar Solarpaneelen hatte anbringen lassen, um die Kosten für ihr Bräunungsstudio zu senken, und die Dinger hätten sich derart gerechnet, dass sie, Milli, ihr Fitnessstudio zum Selbstversorger ausbauen möchte. «Dann bin ich mein eigener Herr und spare erst noch Geld!» Sie sah mich hoffnungsvoll an, doch ich wusste um die Tücken und erwiderte, dass ihr dies wohl kaum gelingen dürfte. «Die Kosten für eine so große Solarstromausstattung sind viel zu hoch», sagte ich. «Schon nur die Batterie für den Nachtbetrieb würde Sie in den Konkurs treiben...» Ich blieb hartnäckig bei der Höflichkeitsform, um mir ihr Temperament vom Leib zu halten, doch sie kümmerte sich nicht um solche Feinheiten, sondern drängte: «Dann empfehle du mir etwas anderes oder erfinde mir eine Maschine, die ich bezahlen kann!»
Ich musste lachen. Sie war wirklich an den falschen Mann geraten.
Natürlich streifte mich der Gedanke, ihr mein Kraftwerk aufzuschwatzen, doch der Halm war zu dünn, als dass ich mich daran hätte klammern können. So sagte ich: «Das hat keinen Sinn. Lassen Sie sich ein paar Steckdosen einbauen, und schon ist das Problem gelöst.»
Damit wollte ich mich verabschieden, denn ich hatte genug von meiner Selbstlosigkeit, doch die Verrückte ließ nicht locker, sondern sagte: «Da müsste doch was zu machen sein! Du sollst ein tüchtiger Erfinder sein! Warum willst du nicht für mich arbeiten? Ich bezahle dich ja!»
Ja, die Bezahlung brauchte ich dringend, ob dies auch der richtige Auftrag war, um mich aus meiner Krise zu holen? Ich murmelte: «Vielleicht gäbe es eine Lösung. Ich arbeite daran, die elastische Spannung der Materie zur Energiegewinnung zu nützen. Ich könnte einen Prototypen bauen, doch bräuchte ich dazu finanzielle Hilfe...»
Sie sah mich einen Augenblick lang wie blind an, doch dann ging ihr ein Licht auf und sie sagte: «Du meinst dein Herz-Kraftwerk?»
Mir brach der Schweiß aus allen Poren, aus lauter Angst, sie könnte Interesse anmelden, doch es war Fehlalarm. Milli lachte belustigt auf und sagte: «Ja, mein Freund hat mir von deinem Projekt erzählt und mich davor gewarnt, darin zu investieren. Es soll eine Geldvernichtungsmaschine sein!»
Sie kannte keine Rücksichten, und ich war verletzt und erleichtert zugleich. Ich wollte mein Projekt verteidigen, doch sie packte mich am Arm und meinte: «Jeder kann Fehler machen, doch ich will nicht dazugehören!»
Ihre Direktheit nervte mich. Ich zuckte mit den Schultern und sagte, indem ich sie nun duzte, um sie zurechtzustutzen: «Ich weiß nicht, wie ich dir helfen könnte, denn ich sehe keine großen Alternativen: Du könntest ein Loch in die Erde bohren lassen, um eine geothermische Anlage zu installieren, die kriegst du aber auch nicht gerade geschenkt. Man könnte das Prinzip umkehren und einen Fühler aufstellen, um durch eine Wärmepumpe Energie zu gewinnen, doch da gibt es nichts Marktreifes. Oder », ich stutzte einen Moment, « wenn du unbedingt kostenlose Energie anzapfen möchtest, könntest du die Kraft deiner Kunden ausnutzen. Du schließt die Fitnessgeräte an Generatoren an, und schon produzieren die Leute Strom. Deine Kunden rackern sich ab, und du sparst Kosten für Licht, Musik und Klimaanlagen...»
Das war mir spontan in den Sinn gekommen, und vor meinem geistigen Auge sah ich in der riesigen Halle Hunderte von blitzenden Fahrradtrainern, Laufbändern, Ruderbänken und allen möglichen Kraftgeräten stehen, an denen sich die Leute abrackerten und ihre Kraft nicht mehr sinnlos verpulverten, sondern ihre Energie in Strom umsetzten, und ich muss sagen, die Vorstellung elektrisierte auch mich. Wenn ich allerdings glaubte, Milli würde in Begeisterungsschreie ausbrechen, sah ich mich getäuscht. Sie verengte bloß die Augen und sagte nachdenklich: «Ja, schön. Aber kann das funktionieren?»
«Natürlich würde dies funktionieren», erwiderte ich ärgerlich. «Nur müssten sich eine ganze Menge Leute dafür abschuften, um auch nur eine nennenswerte Leistung zu produzieren.» Ich rieb mir das schmerzende Bein und meinte, dass man, um den Wirkungsgrad zu erhöhen, vielleicht neue, spezielle Trainingsmaschinen entwerfen müsste, mit leistungsfähigeren und empfindlicheren Generatoren. «Das könnte ich für dich tun», sagte ich. Milli blickte mich noch immer prüfend an, dann packte sie mich und befahl: «Komm mit! Das bringt mich zum nächsten Punkt...»
Sie führte mich zum anderen Ende der Halle, stieß dort eine Klapptür auf und führte mich einen Gang hinunter, wo drei Männer vor einem schrankgroßen elektrischen Verteilerkasten standen und mit Spannungsmessern darin herumstocherten. Milli fragte, ob alles in Ordnung sei. Die drei sahen jedoch kaum auf, und Milli wartete auch keine Antwort ab. Sie zog mich weiter zu einer Tür, über der «DEPOT» geschrieben stand.
Sie machte mir ein Zeichen zu warten, griff sich in den Ausschnitt und tastete unter dem Anzug ihren Körper ab, als wühlte sie in ihren eigenen Eingeweiden. Sie musste bis ins Becken hinuntergreifen, dann zog sie einen Wisch heraus, faltete ihn auf und hielt ihn mir unter die Nase: «Da! Zuerst noch eine Unterschrift bitte. Ich will nicht, dass du dich später mit fremden Federn schmückst. Hast du was zum Schreiben?»
Ich verstand nicht. Ich streckte meine Hand aus, um mir erst einmal den Zettel genauer anzusehen und fragte: «Was steht denn drin?»
Milli antwortete mir aber nicht, sondern packte meine Hand, drückte den Daumen gegen die schmutzige Wand und dann auf das Papier, als habe sie es mit einem Analphabeten zu tun und sagte: «Das geht auch so. Danke.»
Sie stopfte den Wisch wieder in ihr Innerstes, öffnete mit einem Schlüssel, den sie am Hals trug, die Tür und zog mich ins dunkle Depot.
Sie ging mir entschieden auf den Wecker, doch ich war neugierig und folgte ihr in die Halle, die noch heißer und stickiger als die andere war. Sie tastete an der Wand nach einem Lichtschalter und sagte: «Puuh! Es wird Zeit, dass wir Klimaanlagen installieren!»
Damit drehte sie den Schalter um, und es gingen fünf oder sechs alte Lampen an, die an langen dünnen Elektrokabeln von der Decke hingen. Im vergilbten Licht schimmerte eine Ansammlung grotesker Geräte, riesig und knochig, wie ein Massengrab verwester Urzeittiere.
Ich rümpfte die Nase, doch sie breitete die Arme aus und sagte ernst: «Ja, da staunst du, was? Da stehen sie schon, die neuen Maschinen! Das sind alles meine Babys! Die habe ich selber entworfen und gebaut!»
Ich gefror innerlich. Eine Hobby-Erfinderin! Eine Dilettantin!
Der Schweiß floss mir von Stirn und Nacken, als sei ich in eine Presse geraten, die noch das Letzte aus mir armem Häuflein Elend presste. Milli führte mich aber zu ihrem Schrott hin, damit ich sie inspizieren konnte, und erklärte mir, dass die Geräte Muskeltraining und Rummelplatzvergnügen kombinierten. «Wer sich in so eine hineinsetzt, wird durchgeschüttelt, herumgeworfen, um sich selbst gewirbelt und noch anderes mehr. Er muss sich dafür aber ziemlich abrackern, und so tut er nicht nur etwas für das Vergnügen, sondern auch für seine Gesundheit! Das ist mein neues Fitnesskonzept, und im Grunde deiner Idee ziemlich ähnlich.»
Damit war ich aber nicht einverstanden. Natürlich bedienten wir uns beide der Muskelkraft, aber ich war kein Depp, dem man zuerst die Unterschrift und dann auch noch die eigene Idee klauen konnte.
«Das scheint mir ein wenig weit hergeholt», sagte ich von oben herab. «Etwas ist es, Fliehkräfte und Drehmomente zu nutzen, um Spass zu haben, etwas anderes, die Energieversorgung des Centers darauf aufzubauen. Dazu braucht es einen ausgefeilten Regelkreislauf und ein System, um Engpässe in der Stromversorgung zu vermeiden, und nicht zuletzt auch noch neue Trainingsgeräte, die die geforderte Leistung erbringen!»
«Gut möglich», konterte Milli leichthin. «Dann muss ich deine Idee zurückstellen. In der Zwischenzeit reicht es mir, wenn du mir hilfst, meine Erfindungen zu patentieren.»
Jetzt war es an mir zu lachen. Jedes Kind sah doch, dass ihre Dinger zusammengeschustert und von der Serienreife noch weit entfernt waren!
Ich gab ihr meine Meinung zum Besten und erklärte ihr außerdem, dass sie beim Patentamt keine Chance hätte. «Die wollen klare, ausgegorene Sachen, nicht irgendwelchen Krimskrams, der auseinander zu fallen droht!»
«Das ist kein Krimskrams und schon gar nicht unausgegoren!», gab sie heftig zurück. «Sie sind vielleicht verbesserungsbedürftig, aber nur in Maßen. Vor allem fehlen aber die Konstruktionszeichnungen. Ich wäre froh, wenn du sie erstellen und auch den ganzen Papierkram übernehmen könntest. Natürlich würde ich dich separat dafür entschädigen...»
Ich war schon zufriedener, aber irgendwie stank die Sache.
«Die Konstruktionszeichnungen fehlen?», fragte ich misstrauisch nach. «Hat es denn jemals welche gegeben?»
«Natürlich hat es welche gegeben», gab sie unwillig zurück und errötete. «Mein ehemaliger Freund hat die aber vernichtet. Er half mir bei der Entwicklung, doch dann überkam ihn eine Sinnkrise, und er schmiss alles hin, rasierte sich Bart und Haare ab und wurde irgendwo Mönch oder so was. Er drehte jedenfalls durch...»
Ich glaubte zu verstehen, was den armen Kerl um den Verstand gebracht hatte. Das Risiko, das ich einging, schien hoch, deshalb musste ich soviel wie möglich für mich herausschlagen. «Zeichnungen, Papierkram, Verbesserungen alles gut und recht», sagte ich, «doch ich befürchte, dass da trotzdem vieles von Grund auf neu durchdacht werden muss, und dann möchte ich als Miterfinder beteiligt werden...»
«Das kannst du dir abschminken», antwortete Milli unwillig. «Denn was das Verbessern angeht, übertreibst du gewaltig. Da sitzt das meiste!»
«Das sieht mir aber nicht danach aus», gab ich zurück. «Ich würde sagen, man riskiert sogar sein Leben, wenn man sich da hineintraut!»
Das war für Milli dann doch zu viel. Sie lief rot an und zog mich, um mich vom Gegenteil zu überzeugen, zu einer Art Lift mit Fledermausflügeln hin, worin verschiedene Hanteln und Gewichte an Seilen und Winden aufgehängt waren. Angeblich sollte man damit hochschweben können. Ich lachte ungläubig, doch das stachelte Milli nur noch mehr an. Sie schleifte mich zu einem anderen Unding hin, das wie eine lang gestreckte Schlachtbank aussah und erklärte mir, dass dies eine Zentrifuge sei, die einen psychisch neu ausrichten konnte. Ich winkte ab, doch Milli gab nicht nach und zerrte mich zu einem gewaltigen Kugelkäfig hin, der wie eine Folterkammer für zwei Personen aussah.
«Das hier ist mein Meisterstück!» Sie erwartete wohl, dass ich auf die Knie fiel. «Das hat uns Monate Arbeit gekostet, aber so was findest du auf der ganzen Welt nicht wieder!»
Davon war ich überzeugt. Während Milli irgendwas von Paartraining schwatzte und mich anhielt, die Seilzüge und -winden und Gewichte und auch die beiden Sitze mit den Sicherheitsbügeln zu bewundern, die sie von einer ausrangierten Rummelplatzschaukel geschraubt und mitten in die Maschine gebaut hatten, schob ich die Hände in die Hosentaschen. Ich fühlte, wie ich in diesem zusammengebastelten Chaos auflebte. Da versaute ich mir mein Leben mit Selbstzweifeln, und dabei gab es Leute, die hielten Müll für Gold!
Milli drängte mich, in ihr Meisterwerk, den Paartrainer, zu steigen.
«Du wirst begeistert sein! Du wirst gar nicht mehr raus wollen!»
Da irrte sie sich gewaltig, doch sie drängte so sehr, dass ich ihr schließlich den Willen tat und hineinkletterte und mich festschnallen ließ. Ich wollte sie vorführen!
Sie drückte einen Bügel über meine Schultern und führte meine Arme und Beine durch Schlaufen und band sie an seltsam geformten Griffen fest. Sie packte mich ohne falsche Scham und werkte an mir herum, als sei ich ein Teil von ihr, und spöttisch grinsend ließ ich alles mit mir geschehen. Ich genoss ihre Nähe und atmete ihren mit Schweiß und Fabrikstaub durchmischten Lavendelgeruch ein. Sie war im Grunde kein schlechter Kerl. Zu impulsiv und unbeherrscht vielleicht, aber von einem gesunden Behauptungswillen getrieben! Und nun tat es mir beinahe leid, an ihren Babys derart rumzukritteln. Ich wusste, wie sich das anfühlte...
Milli machte es sich auf dem gegenüberliegenden Sitz bequem, schnallte sich fest und erklärte mir, dass die Maschine umso besser funktionierte, je harmonischer wir zusammen am selben Strang zogen. Aus diesem Grunde habe sie sich auch schon überlegt, sie als Testmaschine für Liebespaare zu vermarkten. Doch während sie mich mit einer weiteren hirnverbrannten Idee traktierte, konnte ich nicht mehr länger an mich halten und prustete lauthals los.
Ich lachte und lachte, und es war, als befreite ich mich nun zum ersten Mal von all meinen drückenden Sorgen. Die Welt war klein und dumm, und ich war nichts als ein Depp, der mit einer Irren in einem Käfig saß und glaubte, einen Handel abschließen zu können!
Milli runzelte aber die Stirn und fragte scharf: «Was lachst du?»
Ich schüttelte bloß den Kopf und dachte an die ganze Energie, die sie da verschleuderte, ohne sie in Strom umwandeln zu können, und dies steigerte meine Lachlust noch mehr. Milli schoss die Zornesröte in die Wangen, und während sie ihre Arme und Beine ausstreckte und festschnallte, zischte sie: «Ich hoffe, dir bleibt noch Luft zum Pumpen!»
Und damit legte sie sich ins Zeug.
Noch während ich mir meine ganze Verzweiflung und Enttäuschung vom Leibe lachte und mich von der Last der letzten Tage, Wochen, ja Jahre, befreite und den Zustand einer weisen Gelassenheit zu erreichen glaubte, setzte sich die Maschine in Gang. Das Gestänge quietschte und kreischte, und plötzlich packten mich mechanische Kräfte an meinen vier Enden und zerrten mich auseinander, als sollte ich in Stücke gerissen werden.
Die Pein brachte mich aber nur noch lauter zum Lachen, als kitzelte mich Milli mit ihrer Wut am ganzen Leib. Mir liefen vor lauter Lachen die Tränen herunter, und ich wand mich in meinem Foltersitz, unter meinen krampfartigen Anfällen. Es war einfach zu komisch, wie Milli vor lauter Hass und Zorn sich abmühte und mir zuschrie, endlich mit Lachen aufzuhören und im gleichen Rhythmus mitzuziehen.
Ich verstand nicht, welche verrückten Bewegungen ich machen sollte, doch Milli zerrte und stieß und trat. Wir saßen wie auf einem wild gewordenen Esel, der ausschlug, buckelte und uns hin und her schleuderte. Ich verlor die Orientierung, und es war mir, als breche nach und nach meine festgefügte Welt unter diesem Ansturm in sich zusammen. Ich japste nach Luft, und als dann auch noch mein Bein wieder zu schmerzen begann, fiepste ich: «Genug! Genug!»
Milli hatte mich nun aber in ihrer Gewalt und ließ nicht locker. Ihr Gummikörper bewegte sich immer schneller, und sie traktierte mich mit Anweisungen. Mir begann das Ganze aber lästig zu werden: Der Schweiß floss schon an mir runter, und ich hatte genug davon, mich in diesem Gottseibeiuns von einem Folterapparat hin und her und auf und ab schütteln zu lassen. Mir wurde übel, und außerdem rieb die verdammte Hose inständig an meinem Glied, sodass es sich unangenehm zu versteifen begann. Milli keuchte aber: «Spürst du endlich, wie gut das tut? Merkst du, was für ein Potenzial hier drinsteckt?»
Sie war nun sichtlich in ihrem Element. Je mehr sie sich anstrengte, umso gelassener und ausgeglichener wurde sie wieder, als arbeitete sie sich alle Wut vom Leibe. Der Käfig gierte und schepperte furchterregend, und ich hatte Angst, dass uns irgendeines dieser Gewichte, die rund um uns rauf und runter donnerten und im Kreise zischten, erschlagen würden, doch Milli schien mit der Höllenmaschine zu verschmelzen. Ihre Haut begann silbrig feucht zu glitzern, und sie lächelte grimmig und rief: «Bald ist es soweit! Dann wirst du Augen machen!»
Mir reichte es aber. Ich hatte eine gute Idee gehabt, ich hatte gelacht und mich sogar bewegt. Nun wollte ich runter und nach Hause. Ich hatte anderes zu tun. Ich musste mir die Berechnungen des Beamten nochmals vorknöpfen. Vielleicht war noch nicht alles verloren, und ich konnte ihm einen Fehler nachweisen. Vielleicht konnte ich mein Leben doch noch auf die Reihe bringen?
Milli dachte aber gar nicht daran aufzuhören. «Das Schönste kommt erst noch!», sagte sie. «Du wirst sehen! Und dann wirst du mir Recht geben!»
«Von mir aus», gab ich versöhnlich zurück, denn wenn sie so weitermachte, brach sie mir alle Glieder, besonders mein steifes. «Nun lass mich bitte runter! Ich hab genug! Hörst du?»
Milli ignorierte aber meinen Wunsch, und plötzlich, während ich alle Kraft sammelte, um mich gegen ihre Gewalt anzustemmen und dem Spuk ein Ende zu bereiten, begannen über uns bunte Lichter zu glimmen und ein träger, schleppender Bass zu brummen. Millis Augen leuchteten auf, und sie rief: «Siehst du? Hörst du? Das ist MEINE Idee, und sie funktioniert! Da muss nichts verbessert werden!»
Die bunten Lichter strahlten immer heller, und der dumpf dahinschleppende Ton wurde heller und klarer und verwandelte sich zuletzt in eine weibliche Stimme, die ein Liebeslied summte. Es war eine schöne, warme Stimme, die die Halle füllte, und Milli strahlte und brüllte: «Gefällt dir das? Meine Paarmaschine ist das reinste Kraftwerk! Wir könnten ein gutes Erfinderteam abgeben, was meinst du?»
Mein Herz galoppierte. Ich war in ihrer Gewalt. Und nun sollte ich auch noch ihren Kompagnon abgeben!
«Ja, gut möglich», keuchte ich ausweichend, um sie nicht noch mehr zu reizen. «Lass uns das in Ruhe besprechen!»
Doch Milli dachte nicht daran, meiner Bitte nachzukommen.
«Die eigentliche Überraschung kommt erst noch!»
Zu meinem Entsetzen begann sie sich nun erst wirklich anzustrengen: Ihr Gesicht lief rot an, die Venen an Hals und Stirn quollen auf, und ihre Muskeln blähten und verdichteten sich. Mir wurde schwarz vor Augen. Ich fühlte mich wie ein Spielball der Elemente, und zu allem durchdrang mein Glied mich von innen heraus mit seinem verbrecherischen, giftigen Feuer: Vor meinen Augen verwandelte sich Milli in eine wunderschöne, begehrenswerte Frau. Ich begann nach ihren Brüsten, ihren Schenkeln, ihrem vollen Mund und ihren wunderbaren Augen zu lechzen. Ich wollte mein Gesicht in ihren blonden Haaren vergraben und sie stöhnen und mich auffressen hören, und doch wußte ich, dass dies bloß ein unsinniger Zauber war. Nichts als ein Vexierbild, das sich sofort in Nichts auflösen würde, kaum war ich losgeschnallt. Diese Hexe tat mir Gewalt an, und ich war machtlos! Doch in der hochwallenden Hitze löste sich mein Verstand auf. Mein ganzes bisheriges Leben, all meine Ziele und Wünsche, ja auch meine Niederlagen und Erfolge schmolzen zu einem einzigen brennenden Wunsch zusammen, diese Frau zu besitzen! Und ich dachte: Vielleicht ist sie die Person, auf die ich ein Leben lang gewartet hatte?
Milli merkte aber nichts von meinem Wahnsinn, sondern feuerte mich an: «Nur zu! Noch ein wenig mehr, wir haben es bald geschafft!»
Ich nahm aber alle Kraft zusammen und schrie über die singende Sirene hinweg: «Hör endlich auf! Mir ist schlecht!» Und verzweifelt brüllte ich: «HILFE!»
Ich war dem Kollaps nahe, als sich überraschend am Ende der Halle die Tür öffnete und die drei Elektriker eintraten.
«Hierher! Schnell!», ächzte ich am Ende meiner Kräfte. «Helft mir raus!»
Die drei Männer traten, von der sinnlichen Frauenstimme bezirzt, näher, machten aber keine Anstalten, mich aus meiner Klemme zu befreien. Offensichtlich glaubten sie, ich scherzte. Sie lachten und machten große Augen, als das endlich eintrat, worauf Milli so heftig hinarbeitete: Über uns öffnete sich eine muschelförmige Kapsel und entblößte ein nacktes Liebespaar, das sich umarmte und küsste. Die Handwerker pfiffen begeistert und klatschten in die Hände, ich röchelte um Hilfe, und Milli gluckste und pumpte und girrte. Sie hatte ihr Ziel erreicht. Doch da machte ihr Prototyp schlapp: Mit lautem Knall brachen ein paar Stangen, donnerten links und rechts neben mir nieder, rissen ein paar Seile entzwei, Gewichte donnerten auf den Sockel nieder, und das ganze Gerät kippte zur Seite. Milli fiel auf mich nieder, die Schmerzen explodierten ein zweites Mal in mir und verwandelten mich in einen Feuerball.
Da erst erkannten die Deppen den Ernst der Lage und packten an.
Die Frauenstimme verstummte, die Lichter erloschen, und wir fanden uns im vergilbten Schummerlicht der Halle wieder, als sei aller Liebeszauber wie eine Seifenblase geplatzt.
Wir keuchten, und die Handwerker versuchten, uns aus dem Ding zu befreien, doch das war leichter gesagt, als getan. Das Gewirr der Eisenstangen verhinderte den Zugriff, und so schrie ich wütend: «Holt irgendwas und schneidet uns aus diesem verdammten Ding heraus!»
Die drei zogen ab, um geeignete Werkzeuge zu holen, und Milli schwieg. Sie keuchte in nächster Nähe, und der Geruch ihres Schweißes und ihres Parfüms betäubte mich. Ich brannte innerlich lichterloh, als habe sie den Panzer meiner Depression endgültig durchschlagen und mich ins Leben zurück-
gestoßen, und hasserfüllt schrie ich: «Zum Glück sind deine Schrottmaschinen ausgereift! Und ich soll auch noch dein Kompagnon werden? DEIN KOMPAGNON!»
Sie sah mir direkt in die Augen und erwiderte, kein bisschen verlegen: «Ja. Das wäre was... Du verbesserst meine Maschinen, und dann knüpfen wir uns auch deine Idee vor...»
Ich wieherte aber boshaft und wollte nichts mehr hören. Aus der Traum! Doch Milli ließ sich nicht abfertigen, sondern wollte, dass ich ihr zuhörte. «Deine Idee kann man ausbauen», sagte sie. «Ich habe mir das noch einmal durch den Kopf gehen lassen: Meine Kunden könnten ihren Strom selber produzieren und in Form von Batterien mit nach Hause nehmen oder ihn mir verkaufen. So könnten sie sich Boni holen für Gratis-Trainingsstunden! Den Stromüberschuss werde ich dann an die Stadt verkaufen. Je mehr Leute trainieren, umso mehr verdiene ich und umso mehr Strom kann ich verkaufen! Die reinste Goldgrube! Wenn wir zusammenspannen, werden wir unschlagbar!»
Sie berauschte sich an ihren Hirngespinsten, und ich wusste nicht, ob ich sie ohrfeigen oder küssen sollte. Sie war nicht unterzukriegen. Ihre gebräunte Haut war mit Altersflecken übersät, und von Nahem besehen wirkte sie vertrauter, als sie mir bis anhin erschienen war. Was für eine verfluchte Zwangslage! Was für ein Scheißleben! Da versuchte ich, Schluss zu machen mit meiner beschissenen Karriere als Erfinder, und dann lief mir eine solche Irre über den Weg. Aber vielleicht war das die Chance, um mein Können mit ihrer Geschäftstüchtigkeit zu verbinden. Vielleicht würde ich mit ihr auf einen grünen Zweig kommen! Ein Irrer ist zu bedauern, aber zwei zusammen können eine ganze Welt aus den Angeln heben! Diese Milli schien jedenfalls zu wissen, was sie wollte, und hielt direkt und ohne Umschweife darauf zu! Ich hatte mir bis anhin bloß Frauen geholt, die wie mein eigenes Spiegelbild waren: unsicher, von Selbstzweifeln zerrissen und leicht zu beeindrucken. Milli hatte es aber in sich!
Und wie um dies zu testen und sie selbst in ihrem Innersten zu treffen, beugte ich mich vor und gab ihr einen heftigen Kuss. Ihre Lippen waren heiß und weich. Ich hätte sie ihr abbeißen können, doch sie zog sich nicht zurück. Sie blickte mich bloß verwundert an, und ich sagte: «Gut, abgemacht. Wir werden Partner.»
Milli wollte unsere Teamarbeit klären, doch ich ließ sie nicht zu Wort kommen und schrie sie an: «Du gehst mir auf den Wecker!»
«Du mir auch», erwiderte sie ruhig, und ich schloss: «Dann ist ja alles in bester Ordnung.» Da lachte Milli und beugte sich vor und gab mir den Kuss zurück, als hätte ich sie aus einer misslichen Lage befreit.
Wir küssten uns mit der Inbrunst derjenigen, die sich schon viel zu lange alleine abgemüht hatten, und es war mir, als leuchtete die schummrige Halle wieder auf und verwandelte sich in eine glitzernde Wunderwelt, wo die Leute sich ihre eigene Energie erarbeiteten und darüber stark und glücklich wurden. Mein ganzer Körper klopfte, und ich wusste: Es existierte tatsächlich ein Kraftwerk, das aus sich heraus lebte! Ein Perpetuum mobile, das schlug und pulsierte und mehr Energie abwarf, als es aufnahm! Es liess sich nicht erfinden, noch patentieren. Es war ein Glückstreffer, oder besser: eine unerwartete Wendung im Leben!
So küssten wir uns, und während die Elektriker zurückkehrten und mit einer Trennscheibe die Eisenstäbe durchschnitten, um uns zu befreien, und die Funken rund um uns stoben und prasselten, war es mir, als würden Milli und ich zusammen verschweisst und zu einer unzertrennbaren Einheit verschmolzen.
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