|
Elementarteilchen
In Das Rauschen des Raumes vereint Susanne Thomann Physik und Psyche.
Wenn man von Tachionen- und Photonenwinden liest, von monoatomaren Segelfolien und von Schiffen, die bugvoran den kosmischen Raum durchpflügen, könnte man sich in eine krude Mischung aus Seefahrer-Romantik und Science-Fiction-Erguss versetzt wähnen. Dass dem in Susanne Thomanns Roman Das Rauschen des Raumes ob so vieler Technophilie doch nicht so ist, ist zu einem Gutteil einer interessanten Dreier-Konstellation zu verdanken.
Im Rückblick auf sein Leben erzählt der ehemalige Raumschiffkommandant David VanLinden von seinen Erlebnissen mit der Ingenieurin Elnia Kuba und dem Biologen Tobias Duchent. In einer seiner ersten Missionen trifft er auf die beiden, die bereits ein Pärchen sind, und verliebt sich in Elnia. So weit, so Kitsch. Doch dann entwickelt sich die Geschichte überraschend anders, als man es sich von Dreiecksverhältnissen gewohnt ist. Elnia nimmt eine Mittlerposition ein, und die beiden jungen Männer finden zueinander. Was in der Folge berichtet wird, ist eine Geschichte von ineinander verbissener Leidenschaft, von Raserei und Gefühlskälte, ein Ritt die Emotionsskala hinauf und hinunter, eine Hassliebe, die das ganze Leben währt. Die Sehnsucht zweier Menschen, die sich nie gänzlich erfüllen kann: «Die Suche ist eine Sehnsucht, die mit Finden nichts zu tun hat.»
Die Stärke des Romans ist zu-gleich seine Schwäche. So aufwühlend genau die 47-jährige Berner Autorin die Gefühle ihrer Protagonisten ausloten kann, so präzise sie in ihren Beschreibungen der einzelnen Situationen und Stationen auch ist, so bleibt die Lebensverstrickung der beiden Männer etwas lose verknüpft. Will heißen: Die einzelnen Lebensszenen oder -sequenzen passen nicht gänzlich aneinander, man kauft der Autorin den steten Wechsel von heiß zu kalt mit der Zeit nicht mehr ab.
Was bleibt, ist ein Roman von Psyche und Physik, von emotionalem Tiefgang und von hohem Fachwissen, sei es nun Seemannsgarn, Drogentrip oder Weltraumkoller. Ein Roman, in den die Segel zu setzen sich lohnt. (Gregor Patorski)
Susanne Thomann: Das Rauschen des Raumes, Roman, edition8, Zürich 2002, 288 S., CHF 35..
|
|