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Johanna Lier, Ausbildung als Schauspielerin, Regisseurin und Autorin. Ab 1996 Journalistin (WoZ, NZZ u.a.) und Autorin. Zahlreiche Veröffentlichungen. Zuletzt 2001 «wenn die rose geht siehst du keine büsche», edition howeg, Zürich; und «lieb an land schaften», das fröhliche wohnzimmer-edition, Wien.
Johanna Lier
tschak tschak
Itausend monde
tausend sterne glitzern tanzen und tagsüber eine sonne ist allein
bin ich tausend sterne tausend monde oder eine sonne
blühst du in der wärme auf
und ich ganz allein du tausend sterne du tausend monde
eine sonne
blüh ich in der wärme auf
und im dunkel schlief ein traum in der wüste wuchs ein grün
und im westen hinter monden geht der himmel auf
und gib mir mut fürs nahe sein
fürs sonne sein fürs sterne sein im monden schein
hamadan
während der auto fahrt ein fangen die körper
auf den straßen jagen die körper während der
auto fahrt vorbei an bett feder türmen an
stein brocken auf diesen last wagen vorbei an
lehm dörfern der wüste vorbei
die dörfer sind kaputt sagt das kind.
die berge sind blau blau sind die köpfe
unter dem tuch denkt der berg fließt der lehm unter der haut
nachts heißes licht darüber
ihre hand kritzelt in seinem haar
(so formt sich die blinde ein bild vom kopf gegenüber
wobei das porträt an mauern flackert und mäandert)
während der auto fahrt ein fangen die körper
auf den straßen jagen die körper während der
auto fahrt tief zur nacht heißes licht darüber
beschleunigung döst in körpern
die von zwei fremden gemacht sind
er weckt sie: schau - durstige bäume!
er stört sie: schau - kaputte mauern!
zeichne mir ein dorf
sagt schließlich das kind
kaserun
das kleine wirbeltier mit flügeln an armen und händen
ruft dich aus der hütte
auberginen wachsen übers dach
das kleine wirbeltier mit flügeln an armen und händen
weckt und lockt und lacht
spricht drohender als die motoren der bewässerungs- maschine
früh morgens im baum singen die zikaden -
schnabeltierchen - und saugen an den pflanzen
doch später trommeln sie die mittagshitz in die körper
der anderen tiere und bauern und du gehst zwischen
felswand und see hin und her
flirren kinder durch die büsche
abends ruhn sie endlich still in ihren großen köpfen
nah bei den kleinen händen und suchen eine
aufforderung in deinem gesicht: lieb mich
lieb mich jag mich
ein reflex:
du baust ein zelt aus brust und bauch
und fütterst mais kartoffeln und eine rötlich süße zitrone
abends zirkuliert das hunde echo
der zahmen kleinen bis mittelgroßen raubtiere
die in den wiesen der bauern sitzen und
schallwellen aus der
gefangenschaft zu den felsen werfen
und auf die wiederkunft der klagen warten und sie aus dem gras lecken
und schlucken genau in der zeit zwischen ende der abend dämmerung und dem beginn
der nacht
am ufer soldaten - staatenbildende insekten - oder bauern auf dem spielbrett -
mit ausgebildetem geruchs- und
gehörsinn -
du schaust zu den aufschäumenden licht zeichen
am ufer
im boot
verstörte schlafen auf dem see die vögel
at home with behrang
das wasser steht wild im teich
das kind schreit
ursache: ein wasserstrahl aus dem garten schlauch
die schreie eskalieren
danach: ein kinderkörper wild im teich
das wasser fließt rückwärts im fluss
zum haus und füllt das wasserbecken im hof
und das im wohnzimmer das große im keller
dort schillert das
wasser pflanzig und schuppig an blauen kacheln
das wasser schläft im quell
und er ist zurück von der reise bis an den persischen golf ging es wo es unglaublich - ja unvorstellbar heiß
war und im meer lag ein toter mann erzählt er jung und braun sagt er oder blond und alt
er weiß es nicht:
so ist es mit den zu schnell belichteten bildern sagt er
das meer überschlägt sich im meerbecken
seine gesten der zuneigung und des verlangens doch die worte kippen wie wellen: nein nicht jetzt später
vielleicht: doch die arme ziehn den andern
körper zu sich
am morgen die wicke am teich öffnet die rosa
einschlupf höhlen am teich
at home with mahtab
er hat fremde zähne im rücken hat fremde zähne im rücken
er wölbt den bauch gegen die schläge der nacht
dicke brüste kichern und tratschen in dunklen winkeln im zimmer
unter seinen augen wächst ein tier
ein schatten am fenster wächst
färbt füße hände mit den farben
der murmeln (erinnerst du dich)
er hat fremde fingernägel im bein hat fremde
fingernägel im bein
der aprikosenbaum zieht sachte die hand
vom fenster zurück und gibt den blick frei
auf quellen von licht
auf das kind im garten
auf dich
schatten
schnell
in our house
ab und zu tut die glühnde kohle hitz speichern im kohlenbecken
damit es heizt - im zimmer
wärmt - im zimmer
angenehm?
mit blick aufs meer
da sein erster arm und sein vierter
arm ihr drittes bein und ihr
zweites bein anfachen
nicht zu kalt und nicht zu heiß
anhauchen. hin und wieder tanzen sie
auf den eisschollen wenn es stein und bein friert
wenn berauschender eisduft ihn mit einer
dünnen blauschicht überzieht
steigt sie der celsiusskala entlang zu ihm hinab -
messerfisch mit scharfer bauchkante
über glühnde messersschneiden zu ihm hinauf -
butterfisch nördlicher küsten den kein fischer
jemals keine fabrik jemals keine
verkäufer jemals den kein esser fangen will
at home with kayvan
der rote gebetsteppich das bett die terrasse staub die rosenblätter der junge mann liegt -
(heisse schmutzige füsse gehen über den teppich
zum brunnen im hof. die bäume rauschen.
tag und nacht)
nah bei der säule steht das junge mädchen
die schultern empfindlich am stoff des mantels -
(der wind schlägt samen aus den pflanzen.
später werden all diese körner in ihren mund eindringen)
unter dem maulbeerbaum gehen zwei frauen
sammeln beeren von den ästen vom boden -
(sie trocknen die beeren und zerdrücken sie zu
einer paste und formen kugeln. süße kugeln.
im winter)
um die wickenfelder auf den steinplatten durch
den sandsturm die holzhaufen grasbüschel
rennt ein kind kreise und kreise und ruft und
rennt atmet lacht fällt und fällt durch die stille -
in der tür eine frau mit den teegläsern zählt die
bannkreise und alle nachtlager einzelne
fruchtformen
der hof
umschließt
vorabend
heiß
zahra's dream
in den wickenwäldern bin ich weiß
in den wickenwäldern bin ich weiss in einer larve
in den wickenwäldern bin ich nur ein
hergewehtes tier
in den wickenwäldern berühr ich mich selber mit fingern
unter granatapfelbäumen lieg ich auf mir blau
unter granatapfelbäumen lieg ich auf mir
schimmernd und flimmernd wie die
wasserspiegel
unter granatapfelbäumen zerfließen die
wasserspiegel an den hausmauern oder
weizenhalmen
unter granatapfelbäumen
und ich umarme mich
pflanze den kopf unter die achselhöhlen
und wuchert ein prinz aus meinem körper
der schweigt
und der wald verschließt den bauch.
in den wickenwäldern bin ich weiß
weiß bin ich in den wickenwäldern
dich seh ich
unter granatapfelbäumen
unerwartet
du liegst auf mir
blau schimmernd und flimmernd liegst du auf mir
unsre körper sind ein hauch
t.
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