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Johanna Lier, *1962, Dichterin und sonst multipleberuflich unterwegs. Letzte Veröffentlichungen: «wenn die rose geht siehst du keine büsche» 2001 edition howeg, zürich; «lieb an land schaften» das fröhliche wohnzimmer, 2001, edition, wien
Johanna Lier
Unruhige stille
1
und in der nacht
wenn es dunkel
und geräuschvoll
damals wars die
pendeluhr an
der rosenwand
dem schafsteppich
und am winkel
meiner augen
ziehn die hände
karten aus und
wieder hin und
geradeaus
spielen sie mit
dem ball und dem
aufhorchenden
rhythmus des kopfs
und die flaschen
für uns halbvoll
in heimlichen
kammern im haus
immer voll und
das schweigen das
zwischen gabel
gerüchen und
rauch fäden zieht
es sind weiße
haare und brust
holzgerahmt und
über allem
ein wacher blick
aber jetzt ist
der wecker sehr
still und in der
nacht wenn es sehr
dunkel und sehr
geräuschvoll die
zahlen und bei
großer trägheit
es schwer die zeit
des alarms und
mit dem finger
am knopf ich mit
den stunden des
schlafs es nur der
alte mann mit
seinem herz und
der trieb auf die
rechte seite
zur rechten zeit
mit den stunden
des schlafs kann doch
niemand da sie
und du wann du
2
wirfst dich kraftvoll
an mich steh ich
kraftvoll eine
mauer steh ich
wir müssen sie
erklettern doch
wächst sie schnell in
spitzen läufen zu
den wolken zu
pyramiden
gibt keine hand
für einen fuss
ritzt haut tut weh
bröckelt und wirft
steine abwärts
augenblicklich
zum geräusch ein
schritt rückwärts
wo felsbrocken
fliegen abwärts
atmen und weg
laufen zurück
laufen atmen
sitzen atmen
wir sind masken
ruhig ruhig
doch nur eine
perlmutt pistole
erbeutet rein
zufällig nicht
bezwingbar nur
gedanken sind`s
einfach drüber
über steigen
anderer seits
nackte weiten
wolken laufen
meerwärts alles
wechselhaft singt
undenkbar und
unruhig ruht
vollständig still
3
ich hab blüten
weiße blüten
aus den hölzern
gestochene
wohnungen und
daraus viele
spinnen frische
fäden ausziehn
so siehst du das
licht das sich fängt
der baum war nass
vor dem ersten
lidschlag blau und
nackt und streckte
kurzwüchsig die
arme aus dem
bad dem bad der
tauenden der
erde doch nach
zweimaligem
lidaufschlagen
der tauenden
erde waren
blüten da doch
dacht ich nicht an
etwas und doch
wusst ich die zahl
der knöpfe der
knöpfe zwischen
meiner brust und
deiner und es
war nur der weg
meiner hand an
den ersten knopf
der takt von den
aufbrechenden
blüten diese
orts änderung
die kellnerin
im cowboyschritt
knickte und doch
das nötige
zum tisch brachte
knirschte das kies
unter dem schuh
zersprang wider
den widerstand
der kraft meiner
überraschung
die winter die
wohnung aller
prärie spinnen
und ich weiß du
zähmst nur einen
ziegenbock in
einer saison
4
du stolperst durch
meine wohnung
fällst voller fällst
gewichtig mit
geschichten fällst
erschreckt geh ich
zurück und tu
die arme auf
die hände hoch
zur frage und
verfehlt liegst du
am boden doch
gesicht haut fragt
am boden: wo?
danach klopfst du
dich aus und stehst
mit filz und fett
gelöstem blick
und fragst mich aus
was soll ich tun
ist doch nicht die
antwort und setz
mich auf den zur
insel heftig
treibenden den
geflochtenen
stuhl - haar im wind
du schaust mir nach
dein finger am
fuss fassen soll ich
aber zwei schuh
genaue schuh
kaufen denn du
deine eigene
größe deine
mitgebracht du
fragst mich wieder:
spielst du mir auf?
5
du liegst knapp am
spiegel vorbei
und einfälle
schütten puder
dir ins gesicht
mit dem mund das
haar abweiden
hand das warme
wasser warmes
verstreichen das
bein säubern und
aufwärts führen
wärmen streichen
und dein aug zur
schmalen insel
treibt das meer zur
überflutung
am brunnen dein
erbitten um
größe fällt am
ellbogen lang
hastig in das
wasser und die
tropfen gehn ins
aug und waschen
die bilder aus
er starrt sie an
bittet farblos
so denkt er ans
überlaufen
er starrt sie an
und bittet ums
überlaufen
an deiner an
seite atem
zwei seiten und
atem hand im
atem zeigt was
du was ich was
will was du was
ich atem führt
atem führt den
atem läuft aus
ins meer und die
wolken denkbar
unruhig und still
wechselhaft und
vollständig still
april 2000 johanna lier
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