Maren Ruben, *1967, lebt in Strasbourg, schreibt Gedichte und Prosa, verschiedene Veröffentlichnungen in Anthologien und Zeitschriften, Studium der Malerei und Grafik.
Maren Ruben
Stunden am Ausgang
(Gedichte 2000, Auswahl)
apokalyptisches Hirn
hinter den geweißten Scheiben
träumt dein halbes Gesicht
mit einer Kugel zwischen den Zähnen
in der vorübereilenden Sprayspur
formt sich
aus Argumenten dein Sein
erschieß nicht dich selbst
umgibt ein verschlissener Ton
und jetzt erst verstehst du
kein Winken kein Winken
wenn der Kiesel aufs Gleis rollt
wenn es bald regnet
sprießt auch am Bahndamm die Lärche
im Einbaum eingekräuselt
dein Ruderschlag vor dem Gewitter
zwischen ihren grünen Knien
die sprachlos in die Nacht leuchten
Zu einem Gedicht von Marie Luise Kaschnitz:
Hernach
Warum wieder Reime quälen
Die man über uns unsterblich misst
Die Worte und die Rhythmen zählen
Dein Gesangbuch ist ein Rest
Unterm Umschlag qualmt das Feuer
Und die Freude brennt heraus
Lodert auf die leeren Hände/ Ungeheuer/
sind die Jüngsten/
fehlt sie Zeit/ die Liebe/
Durch das schnelle Totenhaus
Überdruss in dieser Zeit
Da die Kinder mordend schaffen
Weil ungereift der Tod bereit /
nie angekommen/
Ergreift sie Tatenwahn die lange Weile zu den Waffen
Strecken hin was nur beweglich scheint
Freun sich dran für sie ist’s nur ein Spiel
Fremdwort Ohnmacht Schoßrot nichts was reimt/
weißt du/
Einen Myrrhenmund behüten/
was ist viel
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