Barbara Hampel, *1951, lebt in Thalwil, unterrichtet in Zürich, Lyrikband «Laubgesicht», Gedichte und Prosa in Anthologien, Zeitschriften, NZZ, Basler Magazin u.a.
(Diese Texte fanden in der gedruckten Ausgabe keinen Platz mehr)
Barbara Hampel
Die Kriege sind die geschichtlichen Offenbarungen
der versuchten Siege nach menschlichem Ermessen.
Die Heimlichkeiten der Überlegenheit sind unheimlich,
geheimnislos sind sie und sorgen stets für Ernüchterung
ohne ihre Sorge um die Geschichte, die über Einzelne
hinausgeht. Wer nicht bloß stehen kann, stellt sich bloß.
Tötungen lassen keinen Weg offen. Sie hoffen nicht
auf die Freiheit der anderen und bleiben gefangen
in eigenen Vorstellungen und im Hassen. Diese Tat
wird zur Hauptsache. Wer sie bestätigt, betätigt sich
an der Vernichtung derer, die man für nichtig erklärt.
Wer Vielfalt nicht aushalten kann, will Richtiges verwalten.
Wer spielt mit in diesen Inszenierungen? Das Theater
hat auf kleinen und großen Bühnen das Stück noch
nicht abgesetzt. Der Spielplan programmiert die Jahre.
Lebensjahre. Jahrzehnte. Jahrhunderte. Die Evolution
ist geduldig. Sie steckt Vorschläge und Rückschläge ein.
Wer bleibt der Entwicklung, der freien, nichts schuldig?
Die Gesellschaft ist
Eine offene Wunde,
Isolationshaft, Machenschaft
gegen gemeinsames Leben.
Einzelstreben bis in
den Turmbau des Eigentums,
der Ruhm häuft sich
vor dem Trümmerhaufen
der Sprache.
Babel weint sich aus
an der Schulter
neuerer Städte,
die gebeugt bleiben
vor der alten Versuchung.
Keine Erfindung,
die diesen Namen
zunichte werden lässt,
keine Zulassung
einer anderen Richtung.
Wozu, sagt die Prüfung,
hab ich Geschichte
gemacht? Man lacht
über meine Trauer und
baut mir noch einen Turm.
Verlorene Zeit, ein Wettlauf Krieg
um den Frieden, der diese
Ungleichgewichte nicht trägt,
wer erträgt die Frage nach
Wichtigkeiten, die dem Mangel
entkommen durch keine Hintertür?
Zuviel zu haben und zu stark
sich zu schützen, macht
die Mächtigen schwach.
Krach liegt in der Luft
und nimmt den Atem.
Nachkrieg
1
Die Verlegenheit um den Geist.
Geld mauert Zustände ein.
Wohlstände im eisigen Lachen.
Wie herzlich ist der Stacheldraht?
Wer sich im Anblick verletzt,
wird hellhörig über Distanzen.
Das Wort geht auf die Straße
Und schweigt. Es streikt.
2
Wo haben wir
haben wir versagt
haben das Sagen
wir haben
wo haben wir
nichts mehr
zu sagen?
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