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Petra Paul, *1969. Übersetzerin von Beruf und Literatin aus Überzeugung, stetig Reisende, aber in Zürich vor Anker. Bisher Veröffentlichung einzelner Kurzgeschichten in Zeitschriften und beim Zytglogge-Verlag.
Petra Paul
Reiseaphorismen
Wir suchen alle nach einem Ereignis im eigenen Leben, nach dem nie mehr alles so sein kann, wie es vorher war.
Atemlos vom Laufen besteige ich den Zug, der auf der Plattform steht, ohne zu fragen, wohin er fährt. Lieber in die falsche Richtung, als alleine auf dem Bahnsteig zurückgelassen zu werden.
Wir reisen nicht um des Zieles, sondern um der Bewegung willen.
Verlockend an der fremden Umgebung ist, daß man in ihr keine Vergangenheit mehr hat.
Man reist, um sich zu beweisen, daß man überall auf der Welt überlebensfähig ist.
Reisen ist das Hinaustreten aus der Zeit und dem gewohnten Raum. Es haftet ihm da durch etwas Traumhaftes an.
Die fremde Umgebung ist eine Bühne für die verborgenen Seiten meiner Persönlichkeit.
Reisen ist wie Kino: Es läßt die intensivsten Emotionen zu und fordert doch keine langfristigen Taten / Entscheidungen.
Man wird sich unterwegs der eigenen Wünsche bewußt und geht nach Hause zurück, um sie sich zu erfüllen.
Schlechter Schlaf ist ein Trick, um die Nacht vor einem Aufbruch zu verlängern.
Ein feiger Mensch reist, weil er sich auf nichts festlegen will und vor allem auf der Flucht ist.
Man ist an einem Ort heimisch geworden, wenn man sich nicht mehr zu pausenlosem Sightseeing verpflichtet fühlt.
Vielleicht muß die Aufgabe des Menschen, wenn sie ihn nicht überfordern soll, sich darauf beschränken, wahrhafte Augenblicke aneinander zu reihen, und darauf zu vertrauen, daß das Leben daraus einen roten Faden durch die Biografie spinnen kann und wird.
Reisend beobachte ich die Welt,um sie danach schöpferisch gestalten zu können.
Jeder Mensch soll ein Gebiet wählen und sich darin zur Reiseführerin ausbilden wagen.
In der rush hour erlebt man das beklemmende Gefühl, daß auf dem abfahrenden Zug kein Platz mehr für einen übrigbleibt, geschweige denn vorgesehen war.
Man muß zwischendurch zur Touristin werden, um sich zu erinnern, wo man lebt.
Reisen machen Leute.
Ein guter Reisebegleiter unterstreicht das Erlebnis in unserem Herzen; ein schlechter verwischt es.
Aus der Ferne gesehen ist die Heimat nur ein Stück idealisiertes Land.
Je länger der Aufenthalt in einem Land, desto stumpfer unsere Wahrnehmung seiner Eigenarten.
Wiederholtes Reisen nimmt uns die Unschuld erstmaliger Bilder, gibt uns aber einen Erfahrungsfundus, um Quervergleiche anzustellen. Es ist vielleicht die würdevollste Art, älter zu werden.
Das Schönste am Reisen ist, daß man ohne eigenes Zutun in Gefilde intensivster Empfindungen katapultiert wird.
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